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Hugo Chávez weist israelischen Botschafter aus

(c) AP (Fernando Llano)

Venezuelas Staatschef spricht von „Holocaust“ in Gaza.

BUENOS AIRES. Ob Shlomo Cohen noch einmal nach Caracas zurückkehrt? Israels Botschafter wurde am Dreikönigstag von Hugo Chávez aus Venezuela verwiesen – für den Diplomaten ist das ein Déjà-vu. Bereits im August 2006 hatte er nach Israels Angriff auf den Libanon die Koffer packen müssen.

„Zum wiederholten Mal erlebt Venezuela den schrecklichen Tod von unschuldigen Kindern und Frauen als Folge der israelischen Invasion im Gazastreifen und des gnadenlosen Bombardements, mit dem Israel aus Luft und Erde das palästinensische Territorium belegt.“ Das offizielle Begründungsschreiben fasst in diplomatisch gerade noch akzeptable Worte, was Präsident Chávez seit Beginn der israelischen Offensive täglich drastischer von sich gab: „Einen Holocaust am palästinensischen Volk“ verübten die israelische Regierung und deren Beschützer in Washington. Es sei geradezu zynisch, dass Washington Länder wie Kuba und Iran als undemokratisch kritisiere, aber Israels Angriffe rechtfertige.

 

Antisemitische Linke

Schon seit Jahren profiliert sich Iran-Intimus Chávez als lautester Israel-Kritiker der westlichen Hemisphäre, was im traditionell US-kritischen Lateinamerika auch ganz gut ankommt. Am Dreikönigstag zogen 3000 Demonstranten vor Israels Botschaft in Buenos Aires und präsentierten die israelische Staatsflagge mit aufgemalten Hakenkreuzen. In Argentiniens Hauptstadt lebt die zweitgrößte jüdische Gemeinde außerhalb Israels.

Aus diesem ultralinken, antisemitischen Milieu kam auch einer, den Chávez noch 2006 als „großen Freund“ pries. Der argentinische Soziologe Norberto Ceresole war einer der Ratgeber Chávez' vor und nach dessen erstem Wahlsieg 1998. Der Holocaustleugner stammte aus dem linken Flügel der peronistischen Partei und beriet von 1969 bis 1971 den peruanischen Putschisten Juan Velasco Alvarado, auch der ein erklärtes Vorbild Hugo Chávez'. Sein Ideenmix aus sozialistischen, völkischen und antisemitischen Thesen kam sowohl in der Sowjetunion als auch im Nahen Osten gut an. Während der 70er-Jahre soll Ceresole Repräsentant der Hisbollah in Spanien gewesen sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2009)