Neuer Streit darüber, ob das Sterben vor 12.900 Jahren von einschlagendem Himmelskörper kam.
Vor 12.900 Jahren geschah im Norden irgendetwas Fürchterliches: Es wurde kälter – überall –, obwohl die Eiszeit zu Ende war, es kamen 1300 kalte Jahre, die Jüngere Dryas. Und in Nordamerika verschwand das Leben, zumindest das große, fast die ganze Megafauna – Tiere über 44 Kilo – war schlagartig weg, Mammuts, Kamele etc. Kurz darauf waren auch die Menschen, die den Kontinent gerade erst erwandert hatten, die Clovis, nicht mehr da.
Möglicherweise haben sie mit ihren modernen Jagdwaffen die anderen ausgerottet, das vermutet die Hypothese vom „Blitzkrieg“, aber manche Tiere wurden gar nicht bejagt, die Kamele etwa. Darauf verweisen die, die auf eine Klimakatastrophe setzen. Aber wo kam sie her, warum wurde es plötzlich wieder kälter?
Lange wurde es mit dem Ende der Eiszeit selbst erklärt: Es habe in Nordamerika riesige Schmelzwasserseen gebildet, die endlich ihre Eiswand durchbrachen und in den Nordatlantik flossen. Dort legte dieses Süßwasser die Meeresströmungen lahm, auch den wärmenden Golfstrom. Aber vorletztes Jahr fand ein Team um Douglas Kennett (University of Oregon) an vielen Lagerstätten der Clovis eine kohlehaltige Schicht – „schwarze Matten“ –, es sah aus, als habe es gebrannt: Ein Himmelskörper habe eingeschlagen, vermuteten die Forscher, er habe mit einer Feuerwalze und anschließender Kälte – durch die Rauchwolken – das Leben beendet und zugleich die Eiswand vor dem Stauwasser gesprengt (Pnas, 104, S. 16016).
Aber die Hypothese stieß auf Kritik, vor allem deshalb, weil man keinen Einschlagkrater kennt. Nun bringt die Gruppe um Kennett zusätzliche Unterstützung für ihre Hypothese: Sie hat überall direkt unter den „schwarzen Matten“ – nur dort – winzige Diamanten mit einer Struktur gefunden, die auf der Erde nicht entstehen kann – außer durch einen Einschlag (Science, 323, S.94).
„Aber das passt hinten und vorne nicht zusammen“, kritisiert Christian Köberl – Einschlags-Experte an der Uni Wien – gegenüber der „Presse“: „Wäre ein Fünf-Kilometer-Kometenkern eingeschlagen, würde ein 50 bis 100 Kilometer großer Krater nach 12.000 Jahren noch rauchen. Wären aber diamanthaltige Meteoriten in der Luft über der Erde explodiert – ohne Krater –, gäbe es außer den Diamanten viel meteoritisches Material.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2009)