Die Inflation sinkt stark – und verschafft der EZB damit enormen Spielraum für eine Konjunkturbelebung per Zinssenkung.
An sich ist die Nachricht ja gut: Die Teuerungsrate ist in der EU auf den tiefsten Wert seit Oktober 2006 und jedenfalls weit unter den EZB-Zielwert von zwei Prozent gefallen. Das Gespenst der Inflation ist also vorerst verscheucht. Weil dieses Gespenst aber noch bedrohlich über den jüngsten Lohnrunden geschwebt ist und für entsprechende Abschlüsse gesorgt hat, dürfen sich die Österreicher heuer erstmals seit Langem wieder auf saftige Reallohnerhöhungen einstellen. Zumindest die, die in der Krise ihren Job behalten.
Wenn sie diese Reallohnerhöhungen nicht in einem Anfall von Angstsparen bunkern, sondern in die Wirtschaft pumpen, dann ist damit auch für ein imposantes außerstaatliches Konjunkturbelebungspaket gesorgt.
Das wird die Wirtschaft auch dringend nötig haben. Denn, und das ist die Kehrseite der Inflationsmedaille, die Preise steigen nur deshalb weniger stark, weil die Wirtschaftskrise den Ölpreis zertrümmert hat – und weil auch sonst nichts mehr geht. Wenn der Autoabsatz, um nur ein Beispiel zu nennen, um ein Fünftel einbricht, dann wäre es zwar mutig, aber nicht sehr gescheit, die Preise auch noch zu erhöhen. Die Preisdisziplin ist also von der Krise erzwungen.
Hoffen wir, dass die EZB diese Chance nützt und mit einer kräftigen Abwärtsdrehung an der Zinsschraube ein wenig mehr Schwung in die neuerdings stark renovierungsbedürftige Konjunkturbude bringt.
(Bericht: S. 18)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2009)