Ich bleibe unterprivilegiert und arm an Megabytes, aber wenigstens ohne Ohrstöpsel.
In Zeiten, in denen man nicht weiß, ob das Gas noch drei Monate reicht (wie die „Kronen Zeitung“ schreibt) oder nur vier Wochen (wie uns „Österreich“ informiert), ist es vielleicht ein Trost, wenn zumindest die Musikversorgung technisch gesichert ist. In diesem Sinn habe ich mich sehr darüber gefreut, dass mir ein braves Christ(en)kind wunschgemäß einen MP3-Player beschert hat.
Dass dieser den Namen „Zen“ trägt, ist für einen Mann des Abendlandes nur ein wenig bedenklich, immerhin verläuft die buddhistische Missionierung recht sanft, dachte ich mir. Aber dann! Dann kam die Installation, und die glich einer Invasion – des heimischen Computers, der quasi automatisch mit einer beachtlichen Anzahl von Files und Ordnern überzogen wurde, während ich verzweifelt versuchte, ins elektronische Benutzerhandbuch vorzudringen. Dazu müsse ich „wechseln“, und zwar zu „d\manual\deutsch\manual.chm“, belehrte mich die dürre Anleitung auf Papier. Das gelang mir nicht, dafür bestätigte ich mit lässigem Druck auf die Enter-Taste, mit den Bedingungen eines umfänglichen Vertrags einverstanden zu sein, ohne diesen auch nur annähernd verstanden zu haben; ich hoffe, das wird mir auf meinem weiteren Weg durch diese Datenwelt nicht allzu sehr schaden.
Ja, so schnell verlässt man das Reich der Aufklärung!, dachte ich – und beschloss, mich nicht darüber zu grämen, dass mir Ausdrücke wie „Docking-Modus“ nicht geläufig sind. Die Aufforderung, meine CDs „rippen“ zu lassen, war mir aber schon unheimlich, schließlich heißt „to rip“ auf Englisch so viel wie „zerreißen“ oder „aufschlitzen“. Außerdem erinnert mich das Wort an die Reaktion von Thomas Mann auf die Mitteilung, dass man ihm bei einer Operation eine Rippe entfernt habe: Man habe ihn „so wenig um Erlaubnis gefragt wie Gott den Adam. Ist aber bei mir kein Evchen daraus geworden.“
Noch strenger reagierte der Computer in der Arbeit auf meine zaghaften Versuche, zum MP3-Hörer zu werden: „Ihr Konto verfügt nicht über das Privileg, Creative Zen zu installieren.“
Na dann. Verzichte ich halt. Unterprivilegiert und weiterhin arm an (musikalischen) Megabytes, aber wenigstens ohne Stöpsel in den Ohren. Und morgen kaufe ich mir eine neue Nadel für den Plattenspieler!
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2009)