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Dritte Generation: Schwieriger Start in den Job

Schweisser
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Zwei Drittel der Lehrstellensuchenden in Wien sind Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Wien/Graz. „Bitte nicht eintreten, Sie werden aufgerufen.“ Diese Worte stehen an der Tür, davor, im ersten Stock des Arbeitsmarktservice Jugendliche, steht Vojislav. In der Warteschleife, mit einer Nummer in der Hand. Der 17-Jährige hat einen Poly-Abschluss in der Tasche, er möchte KFZ-Mechaniker werden. Warum? „So ist das halt bei Jungs“, meint er. Wobei: „Ich würde auch gerne Medizin studieren“, meint er. „Da verdient man viel.“

Kaum Arzt, oft Mechaniker, häufig arbeitslos: Noch immer sind Jugendliche der dritten Generation am österreichischen Arbeitsmarkt in bestimmten Berufen und Branchen konzentriert. Kinder türkischer Eltern etwa in der Textil- und Lederindustrie, in Nahrungsmittelerzeugung und Handel. Während nur zehn Prozent der österreichischen Jugendlichen an- oder ungelernte Arbeiter tätig sind, sind es unter Migranten 25 Prozent. Auch unter den Lehrstellensuchenden in Wien fällt der Überhang auf: Von 12.000 vorgemerkten Lehrstellenanwärtern (im Alter von 15 und 21Jahren) haben 8.000 einen Migrationshintergrund. In Schulungen des Wiener AMS Jugendliche waren 2007 von 6841 Schulungsteilnehmern 1772 Ausländer.

 

Mehr ausländische Arbeitslose

Schlecht ausgebildete ausländische Jugendliche könnten auch die ersten Opfer der Krise am Arbeitsmarkt sein: Im Dezember 2008 wurde gegenüber dem Vorjahresmonat bundesweit ein Anstieg arbeitsloser ausländischer Jugendlicher verzeichnet, der über den allgemeinen Zuwachsraten liegt. In der Steiermark gab es ein Plus von 21 Prozent auf 743 (2007: 611); Spitzenreiter sind Salzburg mit plus 54 Prozent (auf 387) beziehungsweise das Burgenland mit 57Prozent (auf 118). Vergleichsweise entspannt ist die Situation in Wien: plus 9 Prozent auf 2609. Diese Zahlen berücksichtigen nur Jugendliche mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft.

Aus Untersuchungen weiß man, dass die Bildungs- und Berufsmobilität bei Kindern aus dem Gastarbeitermilieu gering ist. Eine schlechtere Schulbildung in Hauptschule und Polytechnikum sowie fehlerhafte Deutschkenntnisse sind aber nur ein Teil des Problems. Jugendlichen der dritten Generation fehle es oft an Netzwerken und Vorbildern, so die Jugendforscherin Natalia Wächter. „Wenn man nur Hilfsarbeiter kennt, hilft einem das jobmäßig wenig.“ Hinzu komme, dass Jugendliche der dritten Generation – ebenso wie ihre Eltern – wenig informiert über Bildungssystem und Arbeitsmarkt seien.

Hindernisse lauern auch bei Bewerbungsverfahren. „Für Arbeitgeber sind türkische Namen oft Zeichen eines Defizits“, sagt Ali Ordubadi, AMS-Diversity-Manager. „Sie werden als Erste zur Seite gelegt.“ Allerdings können auch Denkschranken in der eigenen Familie die freie Jobwahl erschweren: Manche Eltern türkischer Mädchen fänden es „unanständig, wenn diese Restaurantfachfrau lernen“, so Gerda Challupner, Leiterin des AMS Jugendliche.

Was für Arbeitgeber einst ein klares Handicap war, wird erst allmählich als Kompetenz begriffen: Gezielte Nachfrage nach mehrsprachigen Jugendlichen gibt es bereits im Handel, in der Gastronomie, bei exportorientierten Betrieben oder etwa in Apotheken. „Türkisch- und Serbisch-Kenntnisse sind da gefragt“, sagt Challupner. „Wegen der Kunden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2009)