Eine Kulturhauptstadt zu sein bringt oft viel, wirtschaftlich, imagemäßig und in Barem. Das zeigt eine Studie von Arthur D. Little über die unterschiedliche Effizienz von Museen.
Investitionen in Kultur können mitunter erstaunlich lukrativ sein – gelegentlich aber auch erstaunlich wenig bringen. Die Unternehmensberatungsfirma Arthur D. Little, die sich im Kunstbereich etablieren möchte und dafür eine Studie über die unterschiedliche Effizienz von Museen erarbeitete, widmete sich nun dem Thema „Art Cities – Kunst und Kultur zur Schaffung standortpolitischer Vorteile“. Die Untersuchung ist bewusst deskriptiv gehalten, schließlich will man keine Auftraggeber verärgern, die z.B. in einem halben Jahr wissen wollen, wie effizient die Kulturhaupstadt 2009, Linz, im internationalen Umfeld ist. Trotzdem lässt sich einiges Interessante herauslesen.
Investitionen in Kunst und Kultur haben für einen Standort, eine Stadt sehr vielfältige Effekte: Die Steuerleistung wächst durch die steigende Anzahl der Touristen, die lokale Beschäftigung wird verbessert, ebenso das Image. Die Medienpräsenz wird gesteigert, die Kompetenz des Standortes für Kultur steigt, er wird attraktiver für Manager, auch die kreative Industrie selbst wird ausgebaut. Als besonders gelungene Idee gilt Arthur D. Little freilich eine Wirtschaftsinitiative: Das Weltwirtschaftsforum in Davos. Zieht man die Mehrkosten vom Umsatz ab, ergibt sich ein Gewinn von 11 Mio Euro für den Ort, von fast 16 Mio Euro für die Region und von 24 Mio Euro für die Schweiz. Nicht schlecht, hätte Schruns (Vorarlberg) auch gelingen können. Ein schweres Negativbeispiel war dagegen die Expo 2000 in Hannover: Hier ergab sich zwischen Mehrumsatz und Mehrkosten ein Defizit von 4,39 Mrd. Euro für Niedersachsen und 6,24 Mrd. Euro für Deutschland.
Ein fantastischer Erfolg dagegen: Das Guggenheim-Museum in Bilbao. Der Gewinn beträgt 650 Mio. Euro für das Baskenland. 4399 Arbeitsplätze entstanden im Museum, in den Hotels, in der Kreativindustrie. Die Arbeitslosenrate sank von 14,5 auf 9, 5 Prozent. Die meisten Besucher kommen wegen Guggenheim nach Bilbao; sie geben 242 Mio Euro aus, pro Besucher: 243 Euro. Ob das neue Ars Electronica Center in Linz ähnlich tolle Wirkungen hervorbringen wird? Womit wir bei den Europäischen Kulturhauptstädten sind: Luxemburg errang zweimal den Titel und profitierte davon: Kamen 1995 nur 15 Prozent der Besucher wegen der Kulturhauptstadt nach Luxemburg, waren es 2007 bereits 83 Prozent. Während 1995 nur neun Prozent in einer Umfrage Kultur und Kunst mit Luxemburg verbanden, waren es 2007 stattliche 83 Prozent.
Die meisten Kulturhauptstädte profitieren bei den Übernachtungen, manche wie Weimar (1999) mit plus 56 Prozent enorm, manche wenig wie Bergen, das nur ein Prozent mehr Nächtigungen erreichen konnte. Linz wird vermutlich vor allem mit Graz verglichen, mit plus 25 Prozent im Kulturhauptstadtjahr 2003 gut unterwegs. Nur Prag (2000) verlor 6,4 Prozent Nächtigungen. Sehr unterschiedlich ist die Nachhaltigkeit des Nächtigungszuwachses. Im Jahr nach dem „Kulturhauptstadt-Jahr“ konnten Kopenhagen (1996) und Bergen das Ergebnis halten, vier Städte (Reykjavik, Bologna, Brüssel und Stockholm) hatten mehr Übernachtungen, Weimar, Helsinki, Prag, Rotterdam, Brügge oder Graz rutschten ab. „Vergesst London und Paris! Europas coole Städte sind Amsterdam, Barcelona, Dublin, Kopenhagen, Tallinn, Hamburg“, titelte der „Spiegel“. Kulturhauptstädte werden wahrgenommen, das ist die Hauptsache.
Wie wichtig ist die Höhe der Investitionen? Die Studie sagt, sie sind kein Indikator für den Erfolg. Man weiß das von Subventionen in Kunst allenthalben – viel Geld bedeutet hier nicht automatisch mehr Qualität. Wesentlicher für den Erfolg sind ein klares Profil der Projekte, Engagement der öffentlichen Hand – Sponsoring werde noch zu wenig genutzt –, Konzentration auf Standortmerkmale und Einbindung anderer regionaler Besonderheiten, also Bündelung. Klingt etwas simpel, ist aber doch ein Hinweis für künftige Planungen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2009)