Sollte es aber einen ähnlichen Erfolg erzielen wie die baskische Industriestadt, wird sich jeder freuen. Was bringen Kulturhauptstädte?
Außer Spesen nichts gewesen, eine Riesen-PR-Walze, Getöse statt Inhalten, viel Geld für ein paar privilegierte Veranstalter, während der Rest weiter darbt – und die Touristen entweder gar nicht kommen oder bald wieder ausbleiben. Mit dem Image der europäischen Kulturhauptstädte steht es nicht zum Besten. Da tröstet die neue Studie der Unternehmensberatungsfirma Arthur D. Little wenigstens die Politiker: Gar so schlecht sind Kulturhauptstädte nicht. Das Beste: Weniger bekannte Orte werden aufgewertet. Am stärksten hat natürlich Bilbao von Frank Gehrys Guggenheim-Museum profitiert. Dass der heurigen Kulturhauptstadt Linz mit ihren Neubauten (Ars Electronica Center, der geplanten Oper) ein solcher Paukenschlag gelingt, ist eher unwahrscheinlich.
Hoffen darf man immer. Und mit leiser Schadenfreude zur Kenntnis nehmen, dass auch in Bilbao nicht alles bestens ist: Das Museum verspielte jüngst mit einer Spekulation auf Kunstankäufe gleich 8,4 Mio. Euro. Eins steht fest: Die Kulturhauptstädte bringen neue Namen ins allgemeine Bewusstsein. Man muss nicht immer nach Venedig, Paris oder London fahren. Man darf auch mal Vilnius oder Tallinn probieren. 2010 gehört Istanbul zu den drei Kulturhauptstädten Europas, neben Essen und Pécs (Ungarn). Die Nachfrage ist übrigens enorm. In Deutschland rangen 16, in Ungarn elf Städte um den Titel. Es spricht sich langsam herum: Richtig organisiert, bringt der Titel Kulturhauptstadt bares Geld.
(Bericht: S.23)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2009)