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Hintergrund: Das Atomkraftwerk Bohunice

(c) EPA (Tomas Hudcovic/ISIFA)
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Die stillgelegte Anlage V1 soll im Zusammenhang mit der Gas-Versorgungskrise wieder hochgefahren werden.

Das AKW Bohunice ist nicht ein Kernkraftwerk, sondern ein Standort für drei Anlagen in der Slowakei. An diesem Standort entstand 1958 in der damaligen Tschechoslowakei das erste Kernkraftwerk des Landes: Der Reaktor Bohunice A1 wurde 1972 fertiggestellt und 1977 wegen eines Unfalls geschlossen. Im Jahr 1972 begannen die Bauarbeiten der Anlage V1 mit den Reaktorblöcken 1 und 2, 1976 folgte der Baubeginn der Anlage V2 mit den Reaktoren 3 und 4.

Die beiden Reaktorblöcke der Anlage Bohunice V1 sind Druckwasserreaktoren sowjetischer Bauart vom Typ WWER440/230. Sie mussten laut dem EU-Beitrittsvertrag der Slowakei wegen Sicherheitsmängeln stillgelegt werden. Der erste Block wurde im Jahr 2006 abgeschaltet, Block 2 folgte am Silvesterabend 2008.

Am Samstag beschloss die slowakische Regierung im Zusammenhang mit der Gas-Versorgungskrise jedoch überraschend, den jüngst stillgelegten Reaktor wieder hochzufahren. Die EU-Kommission und insbesondere Österreich protestierten. Hauptkritikpunkte von Umweltschutzorganisationen an Bohunice V1 sind, dass es bei dem Reaktortyp keine ausreichende Notkühlung für den Reaktorkern und keine Schutzhülle (Containment) gibt und der Reaktor nicht nachrüstbar ist.

Die Schließung der Einheiten in Bohunice stellte die Slowakei nach eigenen Angaben schon vor der aktuellen Gasknappheit vor ein Energieproblem, sie muss zum Unmut der Regierung Strom importieren. Im November begann daher der umstrittene Ausbau der Blöcke 3 und 4 im Kernkraftwerk Mochovce. Bratislava plant außerdem, einen fünften Block am Standort Bohunice zu bauen.

Bohunice V3 könnte spätestens im Jahr 2020 in Betrieb gehen. Das AKW wird nach einer Analyse des Wirtschaftsministeriums zwischen vier und fünf Milliarden Euro kosten. Geplant ist laut der Organisation "World Nuclear Association" eine Leistung zwischen 1.000 und 1.600 Megawatt.

Neben Bohunice V3 ist auch der Bau eines Atomkraftwerks in Kecerovce im Gespräch. Die beiden Blöcke des AKW Bohunice V2 sollen nachgerüstet werden und weiter in Betrieb bleiben. Die Slowakei verfügt derzeit insgesamt über fünf Atomreaktoren, die die Hälfte der benötigten Energie generieren.

(APA)