Drei Affen vom Aufsichtsrat

(c) EPA (Gert Janssen)
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Aufsichtsräte, die nicht „beaufsichtigen“, braucht niemand.

Falls Ihnen der Titel dieser Kolumne bekannt vorkommt: Er ist vor ziemlich genau drei Jahren erstmals erschienen. Damals ist es um die angebliche Ahnungslosigkeit der Bawag-Aufsichtsräte im bis dahin größten Wirtschaftsskandal der Republik gegangen und darum, dass man daraus Konsequenzen ziehen sollte.

Unterdessen sind eine Reihe weiterer Großskandale – etwa Immofinanz, Kommunalkredit, Spekulationsgeschäfte der ÖBB und zuletzt die Sache mit der Medici Bank, um nur ein paar zu nennen – ins Land gezogen, die weiterhin alle eine Gemeinsamkeit besitzen: Die betreffenden Aufsichtsräte haben, sagen sie, jahrelang nichts mitbekommen. Und außerdem: Was sollen sie denn machen!

Man darf sich als Laie den Aufsichtsrat einer großen Aktiengesellschaft also weiterhin als Ansammlung von Nasenbohrern vorstellen, die sich ein paar Mal im Jahr zum Kaffee treffen und dafür hohe fünf- bis niedrige sechsstellige Summen verrechnen. Und deren Wappentier die berühmten drei chinesischen Affen sind: „Nix hören, nix sehen, nix sagen.“

Das widerspricht doch ziemlich stark dem Paragrafen 95 des hiesigen Aktiengesetzes, der postuliert, der Aufsichtsrat habe die Geschäftsführung „zu überwachen“ – und der ihm dafür auch gute Instrumente in die Hand gibt. Zum Beispiel das Recht, in Bücher und Kassen selbst Einsicht zu nehmen und dafür auch „besondere Sachverständige“ zu beauftragen. Die gängige Ausrede „Der Vorstand hat uns das nicht gesagt“ zieht also nicht.

Das offenkundige Desinteresse so vieler Aufsichtsräte an der vom Aktiengesetz verlangten „Überwachung“ liegt also nicht am Können, sondern am Wollen. Dem sollte man ein bisschen nachhelfen. Zum Beispiel dadurch, dass man Aufsichtsräte für die Folgen ihrer Nichttätigkeit stärker persönlich haftbar macht. Bisher reicht es ja, den Dummnaiven zu spielen – und schon ist man außer Obligo.

Die Keule einer echten Haftpflicht könnte so manchen Aufsichtsrat vielleicht zum Nachdenken (und Handeln) bringen. Und es würde vielleicht auch helfen, die Auswahl der handelnden Personen– derzeit überwiegend über Politversorgung und Freundeskreise – auf neue Beine zu stellen.

So, wie es jetzt läuft, braucht den Aufsichtsrat jedenfalls niemand. Schade ums Geld.


josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2009)

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