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Klima: Toskanische Verhältnisse in Österreich werden begrüßt

Steigende Temperaturen werden als begrüßt.
(c) EPA (Walter Bieri)
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Die meisten Österreicher wissen laut einer Studie über die Auswirkungen des Klimawandels. Als Verursacher werden aber die anderen gesehen.

Der Klimawandel ist im Bewusstsein der Österreicher noch nicht verankert. Dies ergaben Tiefeninterviews von 30 Personen zum Thema "Umweltgerechtes Verhalten", die im Auftrag des Klima- und Energiefonds durchgeführt werden. Die "rationale Reaktion" sei offenbar hierzulande immer noch viel stärker ausgeprägt als die "emotionale Betroffenheit", so Studienleiterin Sophie Karmasin. Es sei noch viel an Überzeugungsarbeit zu leisten - sowohl von Politikern als auch von PR-Strategen.

Die meisten wissen über die Auswirkungen des Klimawandels - Gletscherschmelze, Anstieg des Meeresspiegels - ganz gut Bescheid, weit entfernte Länder gelten als "Klimasündenböcke". Viele Österreicher blenden diese Fakten in ihrem persönlichen Lebensbereich aber aus, sie nehmen die Bedrohung einfach nicht wahr. Steigende Durchschnittstemperaturen werden sogar als angenehm empfunden, "toskanische Verhältnisse" in Österreich regelrecht begrüßt.

Bürgerlicher Spargedanke

 

Hauptursache ist laut Karmasin das Gefühl, als Einzelner kein Verursacher zu sein bzw. als solcher auch nichts aktiv gegen den Klimawandel tun zu können. Alltägliche Verhaltensweisen wie Heizung zurück- oder Licht in unbenützten Räumen abzudrehen seien mehr auf den bürgerlichen Spargedanken zurückzuführen, so die Meinungsforscherin.

Gerade in Zeiten von Minusgraden, Schneechaos und zugefrorenen Flüssen scheint es besonders schwierig, jemanden für "Energieeffizienz" zu motivieren. Ein zusätzlicher Hemmschuh sei der Verzicht - zum Beispiel auf Mobilität. 20.000 Euro für ein Auto werden immer noch wesentlich lieber ausgegeben als etwa für eine Photovoltaik-Anlage.

Anreize schaffen


Karmasin präsentierte Lösungsansätze, die vor allem an jene adressiert sind, die für Kommunikation zuständig sind: Anreize schaffen über Förderungen wäre zum Beispiel ein Vorschlag. Der Appell an Solidarität und Verantwortung sei nur bedingt brauchbar, Kostenvorteile würden viel größere Motivationsschübe auslösen. Dazu müsse aber der Zugang zu ebendiesen Förderungen wesentlich erleichtert werden, diesbezüglich herrsche noch "großer Nachholbedarf", kritisierte die Meinungsforscherin.

Vereinfachte Kommunikation: Jeder Mensch müsse sich bewusst sein, dass er als Einzelperson etwas bewirken könne. Dazu bedürfe es einfacherer Botschaften. Karmasin: "Die Leute wollen nicht wissen, wie viel CO2 sie eingespart haben, sondern was das für Konsequenzen hat." Und nicht zuletzt ginge es um die Vermittlung von Glaubwürdigkeit: "Der Klimawandel ist eine ernstzunehmende Krisensituation - er ist nicht zu diskutieren."

(APA/Red.)