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Rechtsstreit: US-Sammelklagen gegen Medici und Bank Austria

(c) APA (Helmut Fohringer)
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Amerikanische Anwälte fahren gegen Wiener Banken wegen der Madoff-Affäre schwere Geschütze auf. Setzen sie sich durch, ist die Bank Medici in ihrer Existenz gefährdet.

New York/Wien. Die Gewitterwolken über der Wiener Bank Medici, deren Kunden mit einem kolportierten Schaden von 3,6 Mrd. Dollar zu den größten Opfern des mutmaßlichen Betrügers Bernard Madoff gehören, werden immer größer. Auch die Bank Austria, die mit 25 Prozent an Medici beteiligt ist, muss sich wegen der Affäre verantworten. Die Investmentgesellschaft Repex Ventures leitete als erster Geschädigter in New York gegen Medici und die Bank Austria juristische Schritte ein.

 

Bank-Austria-Kunden involviert

Gleichzeitig wurde bekannt, dass Kunden von Bank Austria und UniCredit mit 805 Mio. Euro vom Madoff-Skandal betroffen sind. Dem Vernehmen nach war ein Großteil der von der Bank Austria in Österreich verkauften „Primeofonds“ praktisch ausschließlich in die Madoff-Produkte von Medici investiert.

Setzen sich Kläger durch, ist die Bank Medici in ihrer Existenz gefährdet. Auch für Bank Austria und UniCredit könnte die Sache teuer enden. Zwar hat die auf den British Virgin Islands angesiedelte Firma Repex nur 700.000 Dollar in die von der Bank Medici aufgelegten Madoff-Fonds investiert. Doch die Gesellschaft strebt in den USA den Status einer Sammelklage an. Das heißt, dass sich auch andere Opfer anschließen können. Die von Repex beauftragte US-Anwaltskanzlei Stull & Broody beantragte eine Klagszulassung im Namen aller Investoren, die in den vergangenen sechs Jahren über die Bank Medici Madoff-Fonds erworben haben.

Als Geklagte werden Medici-Mehrheitseigentümerin Sonja Kohn sowie der zu Jahresbeginn zurückgetretene Medici-Chef Peter Scheithauer angeführt. Sammelklagen in den USA sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Vor drei Jahren war die Bawag nach dem Auftreten von US-Anwälten wegen der Karibik-Geschäfte in die Schieflage geraten.

 

Klagen gegen den Staat?

Die Bank Medici kommentiert die Angelegenheit gelassen. Dabei würde es sich um ein „typisches US-Vorgehen“ handeln, bei dem jeder, der mit Madoff zu tun habe, geklagt werde. Außerdem sei Medici nur eine von vielen Geklagten, heißt es. Ein Sprecher der Bank Austria äußert sich dazu nicht. Madoff galt lange Zeit als US-Börsenstar. Medici-Gründerin Kohn lernte ihn in den Achtzigerjahren kennen und vertraute ihm einen Großteil der Investments an.

Doch der US-Broker legte die Gelder nicht an, sondern verteilte sie ähnlich einem „Pyramidenspiel“ immer weiter. Spekulationen, dass Kohn mit Madoff die fehlgeschlagenen Anlagestrategien mitentwickelt habe und daher als Mittäterin zu sehen sei, werden von Medici-Rechtsvertretern zurückgewiesen. Man darf gespannt sein, was Madoff dazu vor Gericht aussagen wird.

Die Geschädigten werfen Medici vor, die Anleger irregeführt zu haben. Denn in den Prospekten schien stets die Bank Medici als Fondsmanager auf. Der Name Madoff wurde nie erwähnt. Anlegeranwälte prüfen indes auch Klagen gegen den österreichischen Staat, weil die Finanzmarktaufsicht (FMA) die Kontrollpflichten bei Medici vernachlässigt haben soll. Ein FMA-Sprecher dazu: „Kein Kommentar.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2009)