293.697 Autos kauften die Österreicher 2008. Zu Jahresende gab es schwere Rückgänge. Mit einem kleinen Minus konnte man sich ins neue Jahr retten. Das könnte aber "dramatisch" werden.
Wien (jaz/APA). Im Oktober war die Welt der heimischen Autohändler noch in Ordnung. Die Verkaufszahlen lagen im Jahresvergleich um 0,6 Prozent im Plus. Alles deutete darauf hin, dass 2008 die Grenze von 300.000 neu zugelassenen Autos wieder geknackt würde, unter die der heimische Markt im Jahr 2007 gerutscht war. Doch dann kam die internationale Finanz- und Autokrise auch bei den heimischen Händlern an: Ein Minus von 13,3 Prozent im November und ein Minus von 16,3 Prozent im Dezember waren die Folge. Im Gesamtjahr konnte sich der Autohandel gerade noch mit einem „kleinen“ Minus von 1,5 Prozent auf 293.697 Autos über die Ziellinie retten.
„Trend ist besorgniserregend“
2008 sei damit zwar noch ein „akzeptables Jahr“, meinte Gustav Oberwallner, der Sprecher des Fahrzeughandels, anlässlich der Jahresbilanz. „Der Trend ist für uns jedoch besorgniserregend.“ In den ersten beiden Wochen des Jänner habe sich am schlechten Absatz nichts geändert, meint BMW-Österreich-Chef Gerhard Pils, der für die Importeure spricht. „Wenn das so weitergeht, wird es dramatisch.“ Für 2009 rechnet die Branche mit einem Volumen von rund 280.000 verkauften Autos. Das wäre ein Minus von gut fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr und rund sieben Prozent gegenüber dem „Normalwert“ von etwa 300.000.
Die Gründe für die Kaufzurückhaltung der Kunden seien „relativ klar“, meint Hermann Becker, Sprecher des Marktführers VW. Bei den Firmenkunden sei die Verfügbarkeit von Krediten für Investitionen derzeit geringer. Daher würde bei neuen Autos – auch wenn diese geleast werden – zurückgeschraubt. „Bei den Privatkunden war die Kaufzurückhaltung vor allem psychologisch motiviert – der vielen schlechten Nachrichten wegen“, so Becker. Doch auch hier dürften Probleme bei der Fremdfinanzierung eines neuen Autos eine Rolle spielen. „Wenn die Banken Liquiditätsprobleme haben, gibt es generell eine restriktivere Kreditvergabe.“ In Österreich werden nur noch etwa ein Drittel der Autos bar gekauft. Der Rest wird zur Hälfte geleast oder über Kredite finanziert.
Die Händler fordern daher erneut die Einführung einer staatlichen Verschrottungsprämie, die beim Tausch eines alten gegen ein neues Auto ausgezahlt werden soll. Allerdings haben sie diese Prämie nun in „Öko-Bonus“ umbenannt. Von der heimischen Politik wurde diese Forderung bislang abgelehnt. Der österreichische Markt sei zu klein, um durch die Nachfragesteigerung eine Auswirkung auf die heimische Autoindustrie zu bewirken, so die Begründung. Nur wenn so eine Prämie EU-weit eingeführt wird, würde Österreich aus „Solidarität“ mitmachen, meinte Finanzminister Josef Pröll unlängst. Laut Fahrzeughändlern müsste auch der Absatz gefördert werden, da sich die durchschnittliche Umsatzrendite der etwa 4000 Händler von 0,6 auf 0,4 Prozent reduziert habe.
Mehr Hybridautos
Deutlich zulegen konnten im Jahr 2008 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben (Gas, Elektro, Hybrid) – und zwar um 60,3 Prozent. Allerdings erfolgte die Steigerung von einem geringen Niveau aus. Mit rund 1750 Autos fielen nämlich nur 0,6 Prozent aller Fahrzeuge in diese Kategorie. Gewinner gab es jedoch auch bei den einzelnen Automarken. So konnte Fiat gegen den Trend um 16,2 Prozent wachsen. Die Italiener mussten jedoch in den Jahren zuvor öfters Federn lassen. Großer Verlierer war 2008 Opel. Der Absatz ging um 11,1 Prozent zurück.
Auf einen Blick
■Der heimische Automarktschrumpfte 2008 gegenüber dem Jahr davor um 1,5 Prozent auf 293.697 verkaufte Fahrzeuge. Vor allem im November und Dezember gab es wahre Verkaufseinbrüche.
■Für 2009 erwarten die Händler ein weiteres Minus von gut fünf Prozent. Sie fordern daher erneut staatliche Förderungen. Die Politik lehnt das allerdings ab.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2009)