Die Banken sind weltweit in einem jämmerlichen Zustand. Das schreit nach Konsequenzen – auch personellen.
Bei der jetzt beginnenden Bilanzberichtssaison für das letzte Quartal 2008 steht uns eine unangenehme Erkenntnis ins Haus: Die Großbanken sind weltweit in einem noch viel, viel schlimmeren Zustand als befürchtet. Fast überall (in Österreich bleibt uns das hoffentlich erspart) muss jetzt der Staat mit „echten“ Beteiligungen einspringen. In Deutschland ist das bei der Commerzbank bereits geschehen, bei der Hypo Real Estate steht es bevor, und auch die Post-Beteiligung an der Deutsche Bank ist wohl eine Art indirekte Staatshilfe.
Mit anderen Worten: Das gesamte Bankensystem wäre – aus reinem Eigenverschulden – bereits gescheitert, wenn nicht selbst in den USA bereits „der Staat“ eingesprungen wäre.
In dem Zusammenhang erstaunt das Selbstbewusstsein, mit dem sich die Herren der roten Zahlen jetzt zur Entgegennahme der Überlebenshilfen bitten lassen. Deutsche-Bank-Chef Ackermann etwa, der das deutsche Großinstitut mehr oder weniger heftig an die Wand gefahren hat, findet den gestern verkündeten höchsten Verlust der Unternehmensgeschichte zwar ein wenig „enttäuschend“, spuckt aber sonst recht große Töne. Und er ist nicht der Einzige.
Niemand will Staatsbanken, die Staaten sollten sich nach deren Sanierung also schnell zurückziehen. Aber sie sollten in ihrer Eigentümerfunktion vorher Ordnung machen. Auch personell. Leute, die uns diese Krise eingebrockt haben, haben auf den Kommandobrücken nichts mehr verloren. (Bericht: S. 17)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2009)