Dem Stahlkonzern fehlen Aufträge aus der krisengeschüttelten Autoindustrie, die Produktion wird gedrosselt. In Österreich – konkret am Standort Linz – sind 2700 Beschäftigte betroffen.
LINZ. Wenn es der Autoindustrie schlecht geht, bekommen auch die Stahlkocher Probleme: Nachdem die beiden größten deutschen Stahlproduzenten ThyssenKrupp und Salzgitter am Dienstag für tausende Mitarbeiter Kurzarbeit angekündigt hatten, macht dies nun auch die österreichische Voestalpine. 4200 Beschäftigte, zehn Prozent der 42.000 Voestler weltweit, werden in Kurzarbeit geschickt. In Österreich – konkret am Standort Linz – sind 2700 Beschäftigte betroffen: 2500 im Stahlwerk und 200 in der Sparte Automotive, die Karosserieteile und andere Komponenten für die Autoindustrie produziert.
„Die derzeitige Konjunktursituation wird nur mit einschneidenden Maßnahmen zu bewältigen sein und von uns allen eine erhebliche Opferbereitschaft verlangen“, sagt Voest-Chef Wolfgang Eder. Das oberste Ziel bleibe, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.
Schulen statt Stempeln
Neben Kurzarbeit, die vorerst auf drei Monate geplant ist, schöpft die Voest auch viele andere Möglichkeiten aus. Die Zahl der Leiharbeiter wird reduziert – Eder kündigte im November eine Halbierung der Zahl auf 2000 an. Überdies werden Urlaube, Überstunden und Zeitguthaben abgebaut. Weltweit – die Voest hat 360 Produktions- und Vertriebsgesellschaften in 60 Ländern – werden flexible Arbeitszeitregelungen voll ausgeschöpft. In Österreich werden rund 150 Mitarbeiter das Angebot einer geförderten Bildungskarenz annehmen. Derzeit werden mit dem Betriebsrat die Details für die Kurzarbeit ausverhandelt. Die Eckpunkte: Mitarbeiter sollen bei zehn Prozent Gehaltseinbuße um rund 15 Prozent kürzer arbeiten.
In Österreich ist Kurzarbeit auf drei Monate mit einer Verlängerungsmöglichkeit auf sechs Monate beschränkt. Eine Ausdehnung auf 18 Monate, wie beim Autogipfel vergangene Woche beschlossen, soll Anfang Februar in Kraft treten. Die maximale Reduktion der Arbeitszeit ist 20 Prozent. Vom Arbeitsmarktservice (AMS) gibt es eine Kurzarbeitsbeihilfe, die sich nach einer an den Tagsatz des Arbeitslosengeldes gebundenen Pauschale richtet.
Verlängerung wahrscheinlich
Voest-Sprecher Peter Schiefer bestätigt der „Presse“ auf Anfrage, dass der Konzern bei Bedarf die Verlängerung der Kurzarbeit in Anspruch nehmen werde. „Das können wir aber erst sagen, wenn wir wissen, wie unsere Kunden weiter agieren.“ Da viele Automobilhersteller erst jetzt nach verlängerten Weihnachtsferien die Produktion hochfahren und angesichts der sinkenden Nachfrage nicht klar ist, wie VW, Daimler und Co. reagieren, hängt auch die Voest in der Luft. Sie macht zwar nur 27 Prozent des Zehn-Mrd.-Euro-Umsatzes in der Automobilindustrie, dort schlägt die Krise aber am schärfsten zu. Laut AMS werden ab Februar in Österreich 16.000 Beschäftigte kurzarbeiten. In der Autozulieferindustrie ist jeder zehnte Beschäftigte betroffen.
Der Maschinen- und Bahnbau (Voest ist Marktführer bei Hochgeschwindigkeitsschienen und Weichen) ist weniger anfällig, da Aufträge langfristiger ausgelegt sind.
Obwohl sich die Linzer als Produzenten von hochpreisigen Spezialstählen im größten und längsten Stahlboom seit den 70er-Jahren einen milliardenschweren Polster geschaffen haben und vom rapiden Preisverfall infolge des Nachfragerückgangs weniger betroffen sind, haben sie schon die Stahlproduktion um rund fünf Prozent gedrosselt. Nach zwei Wochen Weihnachtspause könnte es im Februar noch eine Woche Betriebsstillstand geben. In Deutschland ging allein im Dezember die Rohstahlproduktion gegenüber November um 35 Prozent zurück. Die Voest-Aktie, die binnen eines Jahres drei Viertel ihres Werts eingebüßt hat, verlor am Mittwoch weiter.
AUF EINEN BLICK
■Die Voestalpine schickt zehn Prozent ihrer Beschäftigten, rund 4200, in Kurzarbeit. In Linz sind 2700 Mitarbeiter betroffen.
■UmKündigungen zu vermeiden, werden auch Überstunden, Urlaube und Zeitguthaben abgebaut.
■Offen ist, ob die Kurzarbeit über drei Monate ausgedehnt wird. Das hängt von der Autoindustrie ab.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2009)