Der Berliner Vertrag des Salzburger-Festspiele-Chefs, Jürgen Flimm, ist fertig zur Unterschrift. Er wird nicht lange zögern. Was sagt uns das?
Am Dienstag hat Salzburgs Festspiel-Chef, Jürgen Flimm, dem Kuratorium versprochen, er werde seinen Vertrag in Berlin als Intendant der Lindenoper erst unterzeichnen, wenn ein neuer Festspiel-Chef gefunden ist. Donnerstag kam die Meldung, Flimms Berliner Vertrag ist fertig. Komm!, rufen die krisenhaften Berliner Opernmacher. Die Festspiele präzisieren, Flimm könne seinen Berliner Vertrag unterschreiben, sobald die Findungskommission ihren Dreiervorschlag für die neue Intendanz präsentiert habe, also Ende April. Wird Flimm dann wie von ihm gewünscht vorzeitig aus seinem bis 2011 laufenden Salzburger Vertrag entlassen? Vermutlich. Die Festspiele werden die nächste Zeit einen Chef haben, der physisch, aber auch mit seinen Gedanken oft woanders ist. „Così fan tutte“, so machen's alle, könnte man sagen. Stimmt. Genau das ist aber auch das Problem.
Die Causa Flimm erinnert daran, dass Kulturmanager, Künstler namhafte heimische Posten als Zwischenstopp, Fußnote ihrer Karriere benutzen und sich bei der erstbesten Gelegenheit davonmachen, wobei sie noch rasch ein paar Beleidigungen absondern. Wie das auch Flimm tat, als er Salzburg Kommerz vorwarf und fragte, wieso er nach getaner Planungsarbeit noch hier „rumsitzen“ soll. Österreichs kostspielige, feine Kulturinstitutionen hätten echtes Engagement, vor allem aber ein eigenständiges Profil verdient und sollten nicht bloß als lukrative Filiale des europäischen, deutschen Kulturbetriebs betrachtet werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2009)