Ohne den „Schnee in der Großstadt ist super“-Anhängern den Spaß am kurzzeitig weiß (und gleich danach braun-gatschig) gewordenen Wien nehmen zu wollen...
Aber der ganze Schneematsch muss irgendwann wieder weg. Den einen Teil trägt man in zeitlos-unschicken Moonboots ins Haus. Der andere Teil tropft von Dächern direkt in die Mäntelkrägen oder klatscht in der noch unsympathischeren Dachlawinenform auf Gehsteigabschnitte, über die man im ungünstigsten Fall gerade geht.
Die aktuelle „Schnee tropft/fällt vom Dach“-Gefahr lässt sich nun elegant nützen, um auf eine weitere Gruppe der „Angst, dass mir etwas auf den Kopf fällt“ (ganz unsymbolisch gemeint übrigens) hinzuweisen: Die Blumentopf-Phobie. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie viele Blumentöpfe (ja, auch im Winter!) auf Wiens Fensterbrettern (außen!) stehen? Ungesichert? Ein Thema, für das leider noch jegliches Bewusstsein fehlt. Und das in einer Stadt mit Winddauerabo wie Wien.
Und wenn Ihnen das keine Angst macht: Es fällt noch viel mehr herunter. Eiszapfen. Rauchfangkehrer. Die leben nämlich, und das passt so überhaupt nicht zu ihrem Glücksbringer-Image, ziemlich gefährlich, die AUVA führt darüber ungefragt, aber dankenswerterweise Aufzeichnungen. Pro Monat fallen neun, in Spitzenmonaten gleich 16 Rauchfangkehrer. Nicht immer von einer Leiter übrigens. Noch öfter stürzen sie auf dem Boden. Was jetzt Anlass zu ganz neuen Spekulationen gibt. Ist das, verglichen mit anderen Berufsgruppen (sagen wir: Pflichtschullehrern), überdurchschnittlich viel? Und: Worüber stürzen die? Umgefallene Leitern von Rauchfangkehrer-Kollegen? Zerbrochene Blumentöpfe, die auf der Straße liegen? Darüber sagt die Statistik leider nichts. Schauen Sie jedenfalls besser nicht hinauf.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2009)