Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Kollaps: Ackermann im Krankenhaus

(c) AP (Bernd Kammerer)
  • Drucken

Der Chef der Deutschen Bank Ackermann erlitt einen Schwächeanfall. Die Nachfolgedebatte ist schon voll entbrannt.

Frankfurt(höll). Vielleicht war doch alles zu viel für ihn: Nach Bekanntgabe des Rekordverlusts erlitt der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Mittwochabend einen Kreislaufkollaps. Mit der Rettung musste er in ein Krankenhaus gebracht werden. Als die Meldung am Donnerstag die Runde machte, brach der Aktienkurs der Deutschen Bank ein. Zu Mittag kam Entwarnung: „Er arbeitet wieder“, versicherte ein Banksprecher. Ackermann habe sich nach einem Empfang „unwohl“ gefühlt. Ursache sei vermutlich das Essen gewesen, sagte der Sprecher.

Dabei waren die letzten Monate für den mächtigen Banker ziemlich unangenehm. Der gebürtige Schweizer gehört zu den Buhmännern Deutschlands. In Zeiten von Rekordgewinnen baute er Tausende Mitarbeiter ab, was wütende Proteste auslöste. In der Weihnachtspredigt wurde der Banker vom evangelischen Bischof Wolfgang Huber angegriffen. Das Fass zum Überlaufen brachte schließlich Ackermanns Äußerung, er würde sich schämen, wenn er die Regierung um Geld anpumpen müsste.

Im Zuge der Postbankübernahme muss ihm der Staat über einen Umweg zur Hilfe eilen. Ursprünglich war geplant, dass Ackermann der Deutschen Post bis März 3,1 Mrd. Euro für die Postbank überweist. Doch die Finanzkrise machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Daher bekommt die teilstaatliche Post einen Anteil von acht Prozent an der Deutschen Bank. Dramatisch ist das Minus von 4,8 Mrd. Euro im vierten Quartal. Die meisten Verluste fielen im Investmentbanking (Handel und Verkauf von Wertpapieren) und im „gehobenen Privatkundengeschäft“ an.

 

Hiobsbotschaften häufen sich

Nach der Gewinnwarnung der Deutschen Bank häufen sich die Hiobsbotschaften aus der Finanzbranche. Beim US-Institut JP Morgan Chase war der Gewinn im vierten Quartal auf 702 Mio. Dollar zurückgegangen – nach knapp drei Mrd. Dollar im Vorjahrsquartal. „Langsam fängt die Panik wieder an, nachdem die Finanzwerte eine Zeitlang im Hintergrund geblieben sind“, sagen Analysten

In Deutschland ist es so gut wie fix, dass der Staat nach der Commerzbank auch bei der angeschlagenen Hypo Real Estate einsteigen muss. Weitere Verstaatlichungen stehen bevor. Die Hamburger HSH Nordbank soll im Vorjahr einen Verlust von zwei Mrd. Euro eingefahren haben.

Und Ackermann dürfte schon bald der Geschichte angehören. Der Banker will im Frühjahr 2010 seinen Sessel räumen. Doch der Druck der Aktionäre steigt, dass er schon früher geht. Gute Chancen wurden zuletzt Anshu Jain eingeräumt. Der Inder ist in der Deutschen Bank aber Chef des Wertpapierhandels – ausgerechnet jener Bereich, in der jetzt die meisten Verluste angefallen sind. Daher ist in jüngster Zeit ein anderer Name zu hören: Axel Wielandt. Der Schwager von Commerzbank-Chef Martin Blessing ist von der Deutschen Bank gerade für die Sanierung der Hypo Real Estate abgestellt worden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2009)