Literatur beschwört die Apokalypse

Philip Roth beschimpfte Bush. Paul Auster sprach von einer Katastrophe.

Nur demokratische amerikanische Präsidenten haben bisher bei ihrer Inauguration konkret gezeigt, dass sie die Dichter schätzen. John F. Kennedy begann diese liberale Tradition. Er ließ bei der Amtseinführung 1961 den greisen Robert Frost ein Gedicht vortragen, Bill Clinton wünschte sich 1993 lobende Ermunterung von der Poetin Maya Angelou. Barack Obama hat Elizabeth Alexander für seine Inauguration kommende Woche um einen Text gebeten.

Der Republikaner George W. Bush hingegen unterließ diese kleine Geste an Kultiviertheit. Solche Beschränkung war vielleicht sogar klug, denn die angesehensten Schriftsteller der USA sind auf Bush nicht gut zu sprechen. Einen Verfall der Werte habe es unter dessen Regierung gegeben, konstatierte der Romancier Richard Ford mehrfach in der zweiten Amtszeit von Bush. Für Amerika ist derartige Kritik ungewöhnlich. Sie hat sich aber zuletzt gehäuft und kommt nicht nur von Radikalen wie dem Filmemacher Michael Moore. Es sei verdammt schwer, Amerikaner zu sein, so Jeffrey Eugenides, Autor von „Middlesex“ (2002), nachdem die konservative US-Regierung mit ihren Verbündeten 2003 den Irak erobern ließ und arge Fälle von Folter durch die US-Army publik wurden.

Jonathan Franzen („The Corrections“, 2001), der in seinen politischen Urteilen an sich überlegt und zurückhaltend ist, bewertete bereits die Wiederwahl von Bush 2004 als irrationale Handlung und ortete schwerste Fehler: in der Außen- und Finanzpolitik und in der Rechtsprechung. Ferner kritisierte er „das katastrophale Appellieren an die primitivsten Instinkte in jedem von uns“. Bush junior sei wahrscheinlich „der schlechteste Präsident, den wir jemals hatten“, urteilte mitten in der zweiten Amtszeit der wohl einflussreichste lebende amerikanische Schriftsteller, Philip Roth. „Ein unglaublich beschränkter Dummkopf sei Bush“, heißt es in Roths Roman „Exit Ghost“ (2007).

Auch Paul Auster, dessen Bücher sich mit den USA nach der Jahrtausendwende beschäftigen, findet Bush unter jeder Kritik. Die republikanische Regierung habe das Land sehr geschwächt, so Auster zum „Spiegel“, „es gibt nach acht Jahren republikanischer Regierung zu viele inkompetente Leute auf so vielen wichtigen Posten. Das ist eine echte Katastrophe!“ Statt „the era“ sprechen viele von „the error Bush“. Die Apokalypse blüht in der US-Literatur.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.01.2009)

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