Gabriel Barylli erklärt sich die Liebe, Alfons Haider posiert dazu.
Kaum zu glauben: 1986 war diese Komödie einer der größten Schlager des Jahres. Emmy Werner, damals Direktorin des kleinen Theaters in der Drachengasse, hatte „Butterbrot“ in Auftrag gegeben.
Die Aufführung war monatelang ausverkauft und ein Auslöser dafür, dass der frühere Kulturstadtrat Mrkvicka Werner zur Volkstheater-Chefin ernannte. Auch das war damals eine Sensation. Das bittersüße Lustspiel des jungen Schauspielers Gabriel Barylli wurde verfilmt, kam als Buch heraus und segelte auf der Männerschmerzenwelle der Achtziger: Falco, Grönemeyer. 1995 gab es Doris Dörries ähnlichen Film „Männer“.
In den Kammerspielen hat Barylli sein „Butterbrot“ nun neu inszeniert, aber nicht bearbeitet. Offenbar hält er das Stück für einen Klassiker – davon ist es weit entfernt. Zwischen einigen schlagfertigen Scherzen gibt es lange Passagen langweiliger Erklärungen über Beziehungen. Die Figuren sind schematisch. Es ist, als spräche Barylli mit sich selbst. Im Großen Haus spielt er derzeit den Thomas Buddenbrook, sehr beachtlich. Barylli überzeugte und überzeugt immer wieder als Schauspieler. Ihm deshalb das ranzige „Butterbrot“ abzunehmen, wie es die Josefstadt tat, ist aber übertrieben.
Das Beste ist die Bühne von Ulrich Schulz: Die Wände der Wohnung der Männer-WG ziert eine arkadische Landschaft, aus ihr fallen Mosaiksteine, die den Boden bedecken. Die Idylle ist brüchig. Der Schauspieler Stefan wird arbeitslos. Der Architekt Martin verliebt sich neu und hat Angst. Den Geschäftsmann Peter verlässt seine Frau. Je schwächer die Dialoge, umso größer die Lautstärke, lautet die Devise der Inszenierung. Nach der Pause ist völlig die Luft raus.
Als Aufputz für die Aufführung wurde der glamouröse Alfons Haider gewonnen. Als Martin wirkt er statisch und unecht, wie ein Dressman. Michael Dangl hat ein paar hübsche lyrische Momente als Mime Stefan, der so gern ein Dichter wäre, wohl ein Alter Ego Baryllis. Nachhaltig entzückt und berührt nur Martin Zauner als verlassener Schuhhändler.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.01.2009)