Nichts Genaues weiß man nicht...

Ganz Europa quält die Frage, wie schlimm es um die Banken nun wirklich steht. Hierzulande scheint das nicht wirklich zu interessieren.

In Deutschland herrscht nach einem aktuellen „Spiegel“-Bericht so etwas wie ein Zustand höchster Aufregung. Die Banken unseres Nachbarlandes sitzen nämlich auf einem Milliardengrab, weil sie bei risikobehafteten US-Anlageformen ordentlich zugegriffen haben. Das ist zwar nicht wirklich neu – neu ist aber, dass von den 300 Milliarden Euro an unverkäuflichen Wertpapieren bisher bestenfalls ein Viertel abgeschrieben wurde. Was wiederum bedeutet, dass es in den deutschen Bankbilanzen erst heuer richtig blutig zugehen dürfte. Noch düsterer wird die Lage übrigens im deutschen Finanzministerium eingeschätzt – dort werden die Bankrisken mit bis zu 1000 Milliarden Euro beziffert.

Und wie sieht die Sache in Österreich aus? Alles bestens. Die Oesterreichische Nationalbank hat sich nämlich kurzerhand entschlossen, die Banken nicht mehr über deren „Löcher“ zu befragen. Die letzten offiziellen Daten stammen aus dem Sommer 2008. Während seither in ganz Europa die Bilanzen vieler renommierter Institute explodieren, hat sich in Österreich offenbar nichts Nennenswertes getan, das OeNB oder Finanzmarktaufsicht im letzten Halbjahr zu einem „Update“ ihrer Einschätzungen veranlasst hätte. Auch nicht schlecht.

Derzeit ist hierzulande also niemand in der Lage, das in den Banken schlummernde Risiko seriös abzuschätzen. Dieser Umstand ist wohl noch beunruhigender, als Berichte über einen möglicherweise hohen Abwertungsbedarf lesen zu müssen. (Bericht: S. 23)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.