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FMA warnt vor Osteuropa-Krise

FMA-Chef Kurt Pribil.
(c) APA (Harald Schneider)
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EU-Hilfsprogramm gefordert – österreichische Banken in der Region besonders stark engagiert. Die Währungen vieler Ost-Länder werten massiv ab. Das drückt zusätzlich auf die Bilanzen.

Wien (ju). Das überdurchschnittlich hohe Engagement der österreichischen Banken in Osteuropa und die außerbilanziellen Zweckgesellschaften und Stiftungen, in denen die Geldinstitute riskante Produkte „unsichtbar“ bunkern, machen der heimischen Finanzmarktaufsicht FMA derzeit Sorgen. Im Wiener Klub der Wirtschaftspublizisten meinten die beiden FMA-Chefs Kurt Pribil und Helmut Ettl, in Osteuropa, das von der Finanzkrise ebenfalls voll erfasst worden sei, müssten jetzt „schnell und konzertiert“ die richtigen Schritte gesetzt werden, um größere Liquiditätsabflüsse zu vermeiden. Wenn das nicht gelingt, könnten in einigen Ländern ernste Probleme auftreten.

Was für Österreich besonders unangenehme Folgen hätte: Die hiesigen Banken sind in der Region eine Großmacht. 19,5 Prozent aller Kredite von EU-Banken in Osteuropa (einschließlich Russland) haben österreichische Institute in den Büchern. Das zehnmal so große Deutschland liegt mit 15,8 Prozent Anteil an zweiter Stelle (siehe Grafik).

Anders ausgedrückt: Das Kreditvolumen, das heimische Banken in Osteuropa ausständig haben, erreicht mit mehr als 220 Mrd. Euro 68Prozent des heimischen Bruttoinlandsprodukts. Wenn da etwas Größeres passiert, hat Österreich ein ernstes Problem.

 

„Liquiditätskrise wie im Westen“

Die FMA-Chefs meinen, dass das ein Problem der gesamten EU sei. Die EU sollte den betroffenen CEE-Staaten also umfassende Hilfen – Liquiditätsspritzen sowie Unterstützungen für Konjunktur- und Bankenhilfspakete – zukommen lassen. „Wir haben dort bereits eine Liquiditätskrise wie in Westeuropa“, sagte Ettl. Mit einem entscheidenden Unterschied: „Diese Länder sind empfindlicher als Westeuropa.“ Die österreichischen Banken hätten in der Region zwar keine „toxischen“ Wertpapiere sondern nur „normale“ Kredite, die intensive Verflechtung sei aber ein großes Problem.

Laut einer Studie der Privatbank Sal. Oppenheim ist für heimische Banken in der Region ein neues Problem dazugekommen: Die Währungen vieler Ost-Länder werten massiv ab. Das drückt zusätzlich auf die Bilanzen. Sal. Oppenheim schätzt, dass Raiffeisen International allein im vierten Quartal 2008 in der Region „Umrechnungsverluste“ von 516 Mio. Euro erlitten hat. Bei der Erste Group dürften sich die Umrechnungsverluste auf 164 Mio. Euro summieren. Das werde bei beiden Banken 2009 und 2010 größere Goodwillabschreibungen nach sich ziehen.

Goodwill ist die Differenz zwischen dem bezahlten Kaufpreis (in diesem Fall für die Ost-Töchter) und dessen Buchwert. Laut Sal. Oppenheim hat Raiffeisen International 813 Mio. Euro Goodwill in den Büchern, bei der Erste Group beläuft sich der Goodwill auf 5,7 Mrd. Euro. Wenn ein Teil abgeschrieben werden müsste, würde dies die erwarteten Gewinne der beiden Banken schmälern.

 

Kritik an Zweckgesellschaften

Keine Freude hat die FMA mit dem, was in außerbilanziellen Zweckgesellschaften und Stiftungen heimischer Banken vorgeht. Ettl und Pribil verlangten, dass diese Geschäfte transparent gemacht und in die Bilanz genommen werden. Deren Umfang bezifferte Ettl mit „ein paar Milliarden“, was Kenner für eine deftige Untertreibung halten. In Zweckgesellschaften werden häufig hochspekulative Produkte gehalten. Nach derzeitigem Stand gehe für die österreichischen Banken von diesen Zweckgesellschaften aber keine Gefahr aus, meinten die FMA-Chefs. Ettl sagte, die Banken würden in diesen außerbilanziellen Gesellschaften „Eigenmittelschonung“ betreiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2009)