Weil sich Pellets-Hersteller verplant haben, möchte der Biomasseverband Autofahrer und Energieversorger „abschöpfen“.
Der Biomasseverband (eine Filiale der Agrarlobby) möchte die Wärmeversorgung in Österreich radikal von Öl und Gas auf Solarenergie und Biomasse (also Holz) umgestellt wissen. Das kann man nur unterstützen: Beim Holzheizen entsteht zwar viel Feinstaub, aber CO2 wird eingespart, und die Importabhängigkeit sinkt. Weil es in der agrarischen Gedankenwelt aber nicht ohne massig Förderung abgeht, würde man dafür, so der Verband, 1,3 Milliarden Euro Zuschuss brauchen. Bei den derzeitigen Kosten der diversen Rettungspakete auch schon „wurscht“, könnte man sagen.
Zahlen sollen wie immer die anderen. Im Wesentlichen über 20 Cent Mineralölsteuerzuschlag beim Tanken und über eine zehnprozentige „Gewinnabschöpfung“ bei den Energieversorgungsgesellschaften. Dass die zum Teil private Eigentümer haben, eine „Abschöpfung“ (so sie, was wahrscheinlich ist, nicht eins zu eins an die Konsumenten weitergereicht wird) also vielleicht nicht ganz unproblematisch wäre, kratzt gestandene Agrar-Bolschewiken offenbar wenig.
Die Frage, welcher Teufel die „Biomassler“ bei einer derartigen Forderung reitet, lässt sich allerdings auch leicht beantworten: Die Holzpellets-Hersteller könnten, so heißt es, aus dem Stand doppelt so viel liefern. Andersherum: Sie haben 100 Prozent Überkapazität aufgebaut. Und diese klassische Fehlplanung sollen jetzt Steuerzahler, Konsumenten und Energieversorger ausgleichen. Ganz schön durchsichtig. Und unverfroren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2009)