Firmenwert-Abschreibung: Wenn Realität die Bilanzen einholt

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In vielen Bilanzen 2008 kracht es, denn nun rächen sich allzu optimistische Zukäufe der vergangenen Jahre. Aus den "goodwill"-Positionen werden oft riesige Abschreibungs-Posten.

Ein Unternehmen ist mehr wert als sein Betriebsgebäude, Maschinen und Lagervorräte. Image, Kundenstock, Innovationen oder Qualität des Managements sind Faktoren, die ein Unternehmen wertvoll machen. Daher ist der Kaufpreis bei Firmenübernahmen meist deutlich höher als der reine Substanzwert (Gebäude, Maschinen,...). Diese Differenz nennt man "goodwill".

Goodwill hunting

Dieser Goodwill ist im Prinzip die in Zahlen gegossene Hoffnung eines Firmenkäufers. Nämlich die Hoffnung, dass das übernommene Unternehmen in Zukunft Gewinne erwirtschaftet und sich so die Investition möglichst bald amortisiert.

Bilanziert ein Unternehmen jedoch nach den internationalen Rechnungslegungssregeln wie IRFS/IAS oder US-GAAP, so muss eben dieser Goodwill jedes Jahr einem "Impairment-Test" unterzogen werden. Hat sich die Realität zu weit vom ausgewiesenen Goodwill entfernt, muss er nach unten korrigiert werden. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die Erträge des übernommenen Unternehmens deutlich geringer sind als erhofft.

Die dann notwendige Abschreibung belastet als Aufwand natürlich den eigenen Jahresabschluss.

Kauf im Boom rächt sich jetzt

Analysten warnen davor, dass diese Abschreibungen riesige Löcher in die Bilanzen 2008 reißen könnten. Denn vor allem in den wirtschaftlichen Boomjahren 2005 bis 2007 wurden bei vielen Unternehmenskäufen viel zu optimistische Wertaufschläge bezahlt.

Symptomatisch dafür ist die Hitech-Branche. So musste etwa Intel eine Milliarde Dollar goodwill von der Internet-Firma Clearwire abschreiben.

Feliz Ebitad

Unternehmen, deren Nettoergebnisse enttäuschend bis katastrophal ausfallen, verkünden gerne Feiertags-Kennzahlen wie EBIT oder EBITDA (EBITAD). Das steht für "Earnings before interest and taxes" bzw. "Earnings before interest, taxes, depreciation and amortization". Also der theoretische Gewinn, wenn das Unternehmen keine Zinsen (z.B. für Kredite) und Gewinnsteuern zahlen müsste und es auch keine Abschreibung gäbe.

Kosten nicht "wegformulieren"

Doch all diese Aufwände und Kosten sind real. Ein Industrieunternehmen hat allein auf seinen Maschinenpark riesige Abschreibungen und ohne Zinszahlungen kommt praktisch kein Betrieb aus.

Es ist daher für Anleger dringend zu empfehlen, vor allem auf eine Unternehmenszahl zu achten: Den Nettogewinn. Denn unterm Strich sagt er am besten aus, wie es einem Unternehmen im Moment geht. Andere Kennzahlen und Berechnungen eignen sich aber für eine ausführliche Analyse danach.

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