Die Finanzkrise hat keinen Reisepass

Neun führende europäische Banken rufen nach Hilfsgeldern für Länder jenseits der EU-Außengrenzen – ein bemerkenswertes Begehren.

Seit Wochen warnen österreichische Banken händeringend davor, die wirtschaftliche Entwicklung in Osteuropa unnötig zu dramatisieren. Gerichtet ist diese Warnung an die Medien, die seit geraumer Zeit im Verdacht stehen, „amerikanischen Analysen“ aufzusitzen und Krisenängste über düstere Berichte zu verstärken.

Nun schlagen die Banken selbst Alarm. Neun in der Region führende europäische Kreditinstitute machen die EU-Kommission sowie die Europäische Zentralbank auf wachsende Risken in Osteuropa aufmerksam. Mit der Bitte, einen Fonds einzurichten, der „im Fall des Falles“ zum Löschen etwaiger Brände jenseits der EU-Außengrenzen einzusetzen wäre. Mit von der Partie sind die UniCredit-Tochter Bank Austria, die Erste Bank und Raiffeisen. Drei heimische Banken, die von wachsenden Risken im Osten bis dato wenig wissen wollten.

Jetzt könnte man freilich darüber philosophieren, wozu denn ein neuer Hilfsfonds gebraucht wird, wenn in der Region doch ohnehin alles weitgehend in Ordnung ist. Wir könnten uns auch ein wenig darüber unterhalten, warum mit EU-Geldern Banken in der Ukraine oder in Serbien geholfen werden soll.

Freuen wir uns lieber darüber, dass über ein „Eventualproblem“ offen geredet wird. Und über die Erkenntnis, dass die Finanzkrise keinen Reisepass hat und wir die Länder außerhalb der EU-Grenzen nicht im Regen stehen lassen können. Schließlich sind deren Banken nicht zuletzt „unsere“ Banken. (Bericht: S. 15)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2009)

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