So lässt sich's lernen: Mit Simulationen und Spielen

(c) Www.BilderBox.com (Www.BilderBox.com)

Im virtuellen Raum kommt Wissen in Bewegung: Dank der neuen Methoden findet Lernen am Arbeitsplatz statt, und anstelle sturen Büffelns sind die Lernenden selbst aktiv.

„Dass sich Wissen spielend erwerben lässt, wussten schon die Perser im 6. Jahrhundert“, erklärt Linda Breitlauch, Gamedesign-Professorin an der Mediadesign Hochschule Düsseldorf. So lerne jeder, der Schach spielt, automatisch auch, Strategiekonzepte zu entwickeln. Lernspiele sind also nichts Neues. Neu aber ist, dass computerbasierte Simulationen und sogenannte „Serious Games“, also Lernspiele am Computer, zunehmend in der Personalentwicklung eingesetzt werden.

Die Frage, warum sich damit gute Lernerfolge erzielen lassen, beantworten Medienexperten mit der Balance zwischen Anforderungen an und Fähigkeiten der Lernenden. „Das fördert die Motivation“, sagt Professor Michael Wagner, Leiter des Fachbereichs Applied Game Studies der Donau-Universität Krems. „Serious Games verknüpfen anspruchsvolle Inhalte mit spielerischen interaktiven Elementen.“ Da rettet man im Spiel ein Land vor dem wirtschaftlichen Zerfall und lernt gleichzeitig fast nebenbei, nachhaltig mit Ressourcen umgehen.

Das Geheimnis guter beruflicher Weiterbildung liegt für Horst Krieger, Leiter Training und Optimum Performance des Wiener Consultingunternehmens ipcenter.at, in der zeitgerechten Bereitstellung von Information: „Infolge der wirtschaftlichen Entwicklungen können es sich Unternehmen immer weniger leisten, ihre Mitarbeiter zu klassischen Fortbildungsveranstaltungen zu schicken.“ Es gelte, eine Konvergenz von Arbeits- und Lernprozessen zu schaffen. „Beim sogenannten Mikro-Lernen geht es darum, prägnante Lösungsansätze möglichst zeitnah und problembezogen bereitzustellen. Und genau dafür eignen sich kurze, einfache Simulationen hervorragend.“

 

Selbstständigkeit simulieren

So lernen etwa junge Manager auf Basis einer vom ipcenter.at entwickelten Simulation etwas über die Bedeutung der Kennzahlen zum Return on Investment, deren Anwendbarkeit und mögliche Schwierigkeiten. Ein anderes Tool soll Mitarbeitern eines Versicherungsunternehmens helfen, sich in ihrer neuen Selbstständigkeit besser zurechtzufinden. „Im Rahmen eines Präsenztrainings wird das Modell erklärt und können sich die Mitarbeiter damit vertraut machen“, erklärt der Experte. Die konkrete Anwendung passiere dann unmittelbar im Arbeitsprozess. Ein Coach könne bei Bedarf zurate gezogen werden, um das Gelernte mit den Mitarbeitern zu reflektieren und den Lernerfolg zu optimieren. Krieger: „Geht es um Einstellungen, Entscheidungsfindungsprozesse und Führungsstil, ist ein unterstützendes Coaching von Angesicht zu Angesicht ratsam.“

 

Budget effizient einsetzen

Von statischen Online-Lösungen hält Krieger eher wenig. „Bis auf wenige Ausnahmen ist es unzureichend, einfach nur Inhalte ins Netz zu stellen.“ Weiterbildungsmaßnahmen seien dann erfolgreich, wenn sie auf integrierten, problemlösungsorientierten Konzepten basieren und informelle Lernprozesse fördern. „Manchmal stellt sich heraus, dass Präsenztrainings den besten Lernerfolg bringen, öfter ist es eine Kombination aus bedarfsgerecht zugeschnittener Simulation und Präsenztraining.“

Da es mittlerweile sehr gute Software-Tools am Markt gibt, lassen sich sinnvolle Simulationen bereits um 4000 bis 5000 Euro umsetzen. Die Erfolgsmessung ist wie auch bei anderen Weiterbildungsmaßnahmen schwierig. „Unternehmen erkennen jedoch zunehmend, dass die Budgets, die sie für klassische Weiterbildung veranschlagen, effizienter eingesetzt werden können“, so Krieger.