Gedämpfte Nachfrage nach Wohnbauanleihen

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Wohnbauanleihen waren zuletzt Ladenhüter. Im Vergleich mit Sparbüchern werden sie aber attraktiver.

Wien(b.l.). Das letzte Quartal des Vorjahres war kein gutes für die S-Wohnbaubank: Hat man bis September noch Wohnbauanleihen im Wert von 400 Mio. Euro platziert und auf ein neues Rekordjahr gehofft (im Vorjahr hatte man 550 Mio. Euro verkauft), brachte man im vierten Quartal nur noch 50 Mio. Euro an den Kunden. Bei der Bank Austria Wohnbaubank will man zwar keinen schwächeren Andrang spüren, bei der Raiffeisen Wohnbaubank schon: Dort lief das zweite Halbjahr spürbar schlechter als das erste. Seit 1994 wurden in Österreich von den sechs Wohnbaubanken Anleihen im Wert von 14 Mrd. Euro verkauft.

Das Geld fließt ausschließlich in Wohnbau und Sanierung und wird überwiegend gemeinnützigen Bauträgern zur Verfügung gestellt. Das Produkt gilt damit als sicherer als andere Unternehmensanleihen, aber nicht ganz so sicher wie Staatsanleihen oder Spareinlagen Privater, für die der Staat inzwischen in unbegrenzter Höhe haftet. „Die Kunden sind im vierten Quartal in Panik geraten“, erklärt S-Wohnbaubank-Vorstand Alexander Schaffer den Rückgang.

Keine Einlagensicherung

Für Wohnbauanleihen gibt es keine Einlagensicherung. Der Ruf der Anbieter, eine solche einzuführen, verhallte in der Politik bisher ungehört. S-Wohnbaubank-Generaldirektor Josef Schmidinger pocht nun nicht mehr darauf. Man will selbst das Produkt besser bewerben. Gelingt das nicht und bleibt die Nachfrage nach Wohnbauanleihen anhaltend schwach, könnten die Mieten bei gemeinnützigen Bauträgern um 50 bis 80 Euro pro Monat und Wohnung steigen, prophezeit Schmidinger.

Die Attraktivität von Wohnbauanleihen könnte aber bald von selbst wieder wachsen. Im Vergleich mit Sparbüchern schneiden sie zunehmend besser ab: Deren unbegrenzte Einlagensicherung läuft Ende 2009 aus, und die Sparbuchzinsen sinken.

Von Kapitalertragssteuer befreit

Bei Wohnbauanleihen sind die Zinsen für Privatanleger bis zu einem Ausmaß von vier Prozent pro Jahr von der Kapitalertragssteuer befreit. Derzeit erhält man für Wohnbauanleihen 3,5 bis 3,8 Prozent Zinsen. Um bei einem Sparbuch netto auf 3,5 Prozent Verzinsung zu kommen, müsste man von der Bank 4,7 Prozent erhalten. Die Anschaffung einer Wohnbauanleihe kann zudem als Sonderausgabe abgesetzt werden.

Ein Nachteil des Produkts ist die lange Laufzeit. Um alle Vorteile ausschöpfen zu können, muss sie mindestens zehn Jahre betragen. Will man sein Geld zwischenzeitlich zurück, geht das nicht so einfach wie bei Staats- und Unternehmensanleihen, die man an der Börse verkauft. Die Wohnbaubanken beteuern allerdings, dass es einen funktionierenden Sekundärmarkt gebe, die Nachfrage nach „gebrauchten“ Anleihen hoch genug sei und man einen marktkonformen Preis erziele. Von der Möglichkeit des vorzeitigen Verkaufs machen aber nur wenige Anleger Gebrauch.

AUF EINEN BLICK

Wohnbauanleihen sind für Privatanleger von der Kapitalertragssteuer befreit und werfen im Vergleich zu Sparbüchern und Staatsanleihen oft eine gute Rendite ab. ■Ein Nachteil ist die lange Laufzeit; ein vorzeitiger Ausstieg ist nicht ganz einfach. Zudem gibt es keine Einlagensicherung. Das Produkt gilt dennoch als relativ sicher.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2009)

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