2009: Sparzinsen im freien Fall

Basejumper Felix Baumgartner
Basejumper Felix Baumgartner(c) APA (EURO-NEWSROOM.COM)
  • Drucken

Sparer sollten ihr Geld mit einem fixen Zinssatz binden. „Die Presse“ erklärt die wichtigsten Auswirkungen auf die Sparzinsen. Und zeigt, wo es noch relativ attraktive Angebote gibt.

Wien. Im September erlebten die Anleger beim Sparbuch geradezu paradiesische Zustände. Die Banken waren ob der ausbrechenden Finanzkrise bemüht, ihre Kunden bei der Stange zu halten – mit Sparzinsen von teilweise über fünf Prozent für kurzfristige Geldanlagen. Ab Dezember ging es mit den Zinsen steil bergab. Mitte Jänner legte die Europäische Zentralbank (EZB) noch einmal mit einer Zinssenkung um 0,5 Prozentpunkte nach. „Die Presse“ erklärt die wichtigsten Auswirkungen auf die Sparzinsen. Und zeigt, wo es noch relativ attraktive Angebote gibt.

1 Wie hat sich die letzte Leitzins-Senkung der EZB ausgewirkt?

Die Sparzinsen sind seit 15. Jänner, also seit der letzten EZB-Leitzinssenkung, noch einmal gefallen– und zwar massiv. Für täglich fälliges Geld sanken die Zinsen gleich um ein bis zwei Prozentpunkte je nach Bank auf teilweise zwei bis drei Prozent. Auch bei längerfristigen Bindungen (für sechs Monate oder länger) mit einem fixen Zinssatz rutschten die Sparzinsen um ein bis zwei Prozentpunkte ab.

2 Werden die Sparzinsen in den nächsten Monaten weiter fallen?

Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß. Experten erwarten, dass die EZB im März den Leitzinssatz weiter herabsetzen wird. „Für 2009 ist der unterste Boden noch nicht erreicht. Die Sparzinsen werden für alle Produkte weiterhin fallen“, prognostiziert Günther Rausch, Einlagen-Experte der Erste Bank. Auch Georg Haushofer von der Hypo Oberösterreich erwartet für 2009 eine Tiefzinsphase. „Die Banken müssen sich an die Marktzinsen anpassen, das heißt, es wird mit den Sparzinsen in nächster Zeit noch einmal bergab gehen.“

3 Welche Banken bieten die besten Sparzinsen an?

Die Online-Banken bieten deswegen gute Zinsen, da sie kein Filialnetz verwalten müssen. Die beiden türkischen Geldhäuser Vakifbank und Denizbank drängen dagegen mit attraktiven Angeboten auf den österreichischen Markt.

4 Wo gibt es die besten Produkte für Tagesgeld?

Für Geld, das man täglich wieder beheben kann, bekommt man bei der Easybank bis 1. Februar 4,6 Prozent. Danach werden die Zinsen auf 3,2 Prozent herabgesenkt. Die ING-Diba bietet bis 31. März einen Zinssatz von 4,5 Prozent (siehe Grafik, Anm.). Bei den anderen Banken können die Tagesgeld-Zinsen jeden Tag nach unten angepasst werden. Da täglich behebbares Geld einen variablen Zinssatz hat, ist dieses stark von den täglich fallenden Marktzinsen betroffen. „Man sollte sein Geld nur auf dieses Geldkonto legen, wenn man es wirklich kurzfristig benötigt“, so Rausch. Ansonsten sollten sich die Sparer jetzt längerfristig mit einem Fix-Zinssatz absichern.

5 Wo gibt es die besten Fix-Zinsen für längerfristige Bindungen?

Für 2009 und 2010 wird allgemein eine Tiefzinsphase erwartet. Empfehlenswert sind daher Sparbücher mit fixen Bindungen von sechs Monaten bis zwei Jahre. Die Vakifbank und die Denizbank garantieren derzeit für eine sechsmonatige Bindung einen Zinssatz von 3,4 Prozent. Auch bei Zwei-Jahres-Bindungen haben die beiden Institute die attraktivsten Angebote mit jeweils 3,625 Prozent. Aber Achtung: Auch die Fix-Zinsen für alle Bindungen werden permanent fallen. Wer auf ein Sparbuch setzt, sollte jetzt noch schnell zugreifen.

6 Was spricht gegen eine längere Bindung, etwa von vier Jahren?

Für eine vierjährige Bindung offerieren etwa die Vakifbank und die Denizbank einen fixen Zinssatz von vier Prozent, die Bank Austria von 3,875 Prozent. Aber: „Die Tiefzinsphase ist vielleicht in zwei Jahren schon vorbei“, vermutet Rausch. Wenn die kürzlich beschlossenen Konjunkturpakete der einzelnen Staaten tatsächlich fruchten, könnte es laut Prognosen mit der Wirtschaft ab 2010 wieder bergauf gehen. Dementsprechend sind auch wieder höhere Zinsen zu erwarten. Von diesen Zinserhöhungen profitiert man allerdings nicht, wenn man sich jetzt mit einem relativ niedrigen Fix-Zinssatz über vier Jahre oder längere Zeit bindet. „Wir empfehlen daher, sich nur auf ein bis zwei Jahre festzusetzen“, sagt Haushofer.

7 Was bleibt nach KESt-Abzug und Inflation von den Zinsen übrig?

Den Sparern wird real mehr in der Geldtasche bleiben– aber nicht viel. Für 2009 prognostiziert das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) eine Inflation von 1,2 Prozent. „Wenn man eine Bindung für zwei Jahre mit einem Zinssatz von 2,75 Prozent hat, bleibt nach Abzug der Kapitalertragssteuer (KESt; 25 Prozent auf Zinserträge, Anm.)und der Inflation ein Prozent übrig“, rechnet Rauscher vor.

8 Welche Alternativen gibt es zum
Sparbuch?

Für jene, die ihr Geld längerfristig anlegen möchte, empfehlen sich etwa Wohnbau-Anleihen mit fixer Verzinsung. Der Vorteil dabei ist, dass die ersten vier Prozent der Kapitalerträge nicht KESt-pflichtig sind. Die Verzinsung einer Wohnbau-Anleihe von 3,5 Prozent entspricht daher einer Sparbuch-Verzinsung von etwa 4,7 Prozent (da man bei dieser ja noch die KESt abziehen muss, Anm.). Unternehmensanleihen sind eine andere Alternative. Die Handelskette Spar etwa gibt derzeit eine Anleihe mit einer Verzinsung von 4,5 Prozent für sechs Monate heraus. Da Spar als stabiles Unternehmen eingestuft wird, gilt die Anleihe als relativ sicher. Sicher sind auch Bundesschätze (festverzinsliche Wertpapiere, die von der Republik Österreich herausgegeben werden). Für zwei Jahre erhält man aber nur einen bescheidenen Zinssatz von 2,1 Prozent.

auf einen blick

Die Sparzinsen sind seit Ende November stark gesunken und werden 2009 noch weiter fallen. Wer auf das Sparbuch setzt, sollte daher so schnell wie möglich sein Geld über 6 Monate bis zwei Jahre mit einem Fix-Zinssatz binden.

Die besten Sparzinsen bieten Online-Banken und die beiden türkischen Institute Vakifbank und Denizbank, die aggressiv auf den österreichischen Markt drängen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.