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Stadtplan: Good banks statt bad banks

Diese Bilder zählen zum Beeindruckendsten im Film „Let's Make Money“...

Der Hubschrauber fliegt mit der Kamera über Andalusiens Küste; gezeigt wird die hemmungslose und totale Verbauung ebendieser. „Das sind Anlageobjekte“, meint ein Vertreter der wohl gefährlichsten Spezies überhaupt, ein Vermögensberater. Der größte Teil dieser monotonen Siedlungen steht leer, finanziert von uns allen, die wir blind und besinnungslos unser Geld einer Bank oder einem Fonds überantworten, im Glauben, diese könnten es vermehren.

Zweierlei haben wir damit bewirkt. Einerseits ist bei vielen das Geld jetzt weg oder jedenfalls beträchtlich weniger wert. Andererseits sind wir „Mittäter“, die Andalusiens Küste zerstört oder irgendwo auf der Welt etwas finanziert haben, das völlig unseren sonstigen Wertvorstellungen widerspricht. Denn die wenigsten fragen sich bei der Anlage ihres Geldes, was sie Konkretes damit finanzieren.

Vielleicht liegt darin eine große Lehre. Statt „bad banks“, in die jetzt mit Steuergeldern toxische Wertpapiere zwischengelagert werden sollen, müssten wir über „good banks“ diskutieren. Und dorthin unser Geld tragen.

Banken, die zum klassischen „guten“ Geschäft zurückfinden: Unternehmen und Gemeinden, die in konkrete Anschaffungen, Kanalnetze und Maschinen investieren, Kredit geben. Solche Anlagen sind sinnvoll und weitgehend sicher. Und es gibt sie bereits. Nur drei Beispiele, was ziemlich sicher und aus meiner Sicht auch sinnvoll ist: Anlagen bei der deutschen GLS Bank. Diese investiert ausschließlich in ökologisch und sozial geprüfte Unternehmen und publiziert regelmäßig, was konkret mit dem Geld der Anleger passiert. Bemerkenswert: Während andere Banken in den letzten Monaten enorme Verluste verursacht haben, floriert die GLS Bank.

Überlegenswert sind außerdem die österreichischen Wohnbaubanken, die Geld direkt dem heimischen Wohnbau weitergeben. Schließlich noch eine internationale Möglichkeit: Microkredite an zehntausende Kleinstunternehmen in Entwicklungsländern. Dafür gab es sogar jüngst einen Nobelpreis. Auch diese Fonds verzeichneten im Annus horribile 2008 positive Verzinsungen.

Wenn die Menschen begännen, am Bankschalter einen konkreten Nachweis zu verlangen, was mit dem eigenen Geld konkret passiert, die Welt sähe anders aus.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2009)