Wien: Mittagsschlaf in der Schule

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„Power Napping“, das Mittags-Schläfchen für zwischendurch, soll die Leistungsfähigkeit des Pflege-Personals erhöhen. Banken machen es bereits vor.

Ein Mittagsschläfchen am Arbeitsplatz? Was für die meisten Arbeitnehmer undenkbar ist, wird für die Schüler der Gesundheits- und Krankenpflegeschule am Wiener SMZ-Ost mit heute, Dienstag, Realität.

Hier eröffnet nämlich ein „Power Napping“-Raum mit fünf bequemen Liegen. Nicht zum Faulenzen ist das stille Örtchen der anderen Art gedacht, sondern „als gesundheitsfördernde Maßnahme“, betont Schuldirektorin Michaela Dorfmeister. „Mit dem kurzen Schlaf, der nicht länger als 15 bis 20 Minuten dauern sollte, werden psychische und physische Energiereserven wieder voll aufgeladen.“ Das Interesse der Schüler an der Maßnahme sei heute schon sehr groß.

Angeblich auch zum Vorteil des Lehrpersonals. „Power Napping erhöht Arbeits- und Gedächtnisleistung, Konzentration, Energiepegel und Wachheit“, sagt der Grazer Neurologe und international anerkannte Schlafforscher Manfred Walzl.

Außerdem könne die Siesta (im Job) dem Burn-out vorbeugen, das Herzinfarktrisiko senken und Aufmerksamkeitsausfälle um ein Drittel reduzieren – zu diesem Ergebnis kommen gleich mehrere Studien. „In ausgeruhtem Zustand werden Aufgaben wesentlich effektiver und effizienter erledigt“, berichtet Mario Filoxenidis, Geschäftsführer von Siesta-Consulting. In den USA, in Japan und im Mittelmeerraum gehört das Energieschläfchen am Arbeitsplatz inzwischen zur guten Sitte. In Österreich indes ist Schlaf im Kontext mit der Arbeitswelt vielfach verpönt und mit Faulheit und Arbeitsscheu assoziiert.

Da Vinci, Einstein als Vorbilder

Doch es gibt auch Ausnahmen, etwa bei der Steiermärkischen Sparkasse in Graz.

Geschlafen werde „nicht direkt im Bankgebäude“, sagt Maria Wonisch, Leiterin des Gesundheitsmanagements, „sondern im Gesundheitszentrum nebenan“. Dort gibt es neben anderen Entspannungsvarianten zwei Liegesessel mit integrierter Massagemöglichkeit. Auch in den 150 Filialen der Bank ist die Möglichkeit zum kurzen Fit-Schlaf gegeben. Wonisch: „Das Feedback ist sehr gut, aber wir machen aus Diskretionsgründen keine Aufzeichnungen.“

Auch Robert Daghofer von der Volksbank Salzburg kennt keine nachmittäglichen Tiefs. „Weil ich seit rund 20 Jahren Power Napping betreibe“, sagt er, der fürs Schläfchen zwischendurch bisher immer seine nahe gelegene Wohnung gegangen war. Seit Kurzem hat nun auch die Bank einen eigenen Raum fürs Napping eingerichtet.

Schon Leonardo da Vinci und Albert Einstein gönnten sich übrigens regelmäßig ihr Mittagsschläfchen. Chinesische Wissenschaftler haben mittlerweile empirisch belegt, dass jene Menschen besonders alt werden können (über 100 Jahre), die täglich zu Mittag ein Nickerchen machen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2009)

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