Sigmund Freud Museum: Baufieber in Berggasse 19

Freudmuseum
Freudmuseum(c) APA (ROLAND SCHLAGER)
  • Drucken

Künftig sollen in der Berggasse 19, in der einst der Vater der Psychoanalyse wohnte und ordinierte, 1500 statt 710 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen.

wIEN. Inge Scholz-Strasser hat große Ausbaupläne für das Sigmund Freud Museum. Künftig sollen dafür in der Berggasse 19, in der einst der Vater der Psychoanalyse wohnte und ordinierte, 1500 statt 710 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen. „Das hat sich so ergeben, weil leider einige Hausbewohner verstorben und Wohnungen frei geworden sind“, erklärt die Direktorin. Die Stadt Wien hat inzwischen das ganze Haus für das Museum erworben.

Bereits 2008 reichte Scholz-Strasser einen Businessplan ein. Investitionsvolumen: zirka sechs Mio. Euro innerhalb von vier Jahren, das ehrgeizigste Projekt seit Gründung des Museums 1971. Den Bauplan hat Architekt Harald Mallner erarbeitet.

Der Ausbauplan sieht neue Bereiche fürs Museale, für Veranstaltungen und Wissenschaft vor. Ticketschalter und Shop werden in einen Zubau im Hof ausgelagert. Ein Hauptpunkt ist die „ordentlich ausgestattete Bibliothek“, so Scholz-Strasser: „Sie ist bereits jetzt die größte über Psychoanalyse in ganz Kontinentaleuropa und wächst kontinuierlich. Es gab in letzter Zeit drei große Nachlässe, einer ist von Alexander, Freuds jüngstem Bruder, sowie große Schenkungen von Erstausgaben und Autografen aus der Gründungsphase der Psychoanalyse. Vor allem die Community in den USA bedenkt uns großzügig mit Nachlässen, wir sind nicht in der Lage, selbst zuzukaufen.“

Für den Ausbau benötigt das Museum neben privaten Mitteln die Hilfe der Stadt Wien (die mit der Schenkung des Hauses eine Vorleistung gebracht hat und den laufenden Betrieb bezahlt) sowie Subventionen des Bildungs- und des Wissenschaftsministeriums. „Die Stadt erwartet wesentlich mehr vom Bund. Das Kulturministerium ist mit 200.000 Euro in die Vorleistung gegangen. Das ist nicht viel bei sechs Millionen, aber zumindest ein schöner Anfang. Jetzt verhandeln wir mit Wissenschaftsminister Hahn, mit einem Konzept über 1,2 Mio. Euro. Er ist aufgeschlossen. Auch das Bundesdenkmalamt ist engagiert. Es wird den wunderschönen Brunnen sanieren und hat eine Notmaßnahme für die Parkettböden angeboten.“

Optimal wäre es, wenn der Umbau von Ende 2009 bis 2012 erfolgt, wenn noch heuer, zum 70.Todestag Freuds, zu bauen begonnen würde. „Ende 2010 sollte die Neuaufstellung des Museums erfolgen, dann die Sachen, die man nicht herzeigen kann, wie die Haustechnik und eine behindertengerechte Ausstattung; wir haben bisher keinen Aufzug. Im schlimmsten Fall haben wir zu wenig, um ernsthaft beginnen zu können. Dann rührt sich gar nichts, denn auf ein Flickwerk lasse ich mich nicht ein. Verschieben würde aber bedeuten, dass das Museum kaputtgeht.“

Wirkt sich die Wirtschaftsmisere aus? „Wir spüren sie bereits. Der Rückgang beträgt 30Prozent bei Sponsoren, vier Prozent bei Besuchern. Die Amerikaner bleiben aus, auch Deutsche und Besucher aus Osteuropa, da gab es zuvor beachtliche Zuwächse, die wegbrechen.“

Auf einen Blick

70.000 Besucher hat das Sigmund Freud Museum pro Jahr. Nun will es bis 2012 expandieren.

Bis 14. April ist die Schau „Ferdinand Schmutzer“ zu sehen, ab 19. Juni „Eros & Thanatos“. Tägl. 9–17h, Tel.: (01) 319 15 96.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.