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Europa: "Märkte wetten auf Explosion des Euro"

Euro in Gefahr
(c) (Michaela Bruckberger)
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Erstmals scheint die europäische Währung wirklich in Gefahr. Der Bankrott eines Euro-Landes könnte den Kollaps der europäischen Währungsunion zur Folge haben.

Die Kreditwürdigkeit von Spanien und Griechenland wurde bereits in den vergangenen Wochen herabgestuft. Aber auch Anleihen aus Irland, Italien und Portugal werden - erstmals seit der Euro-Einführung - mit massiven Risikoaufschlägen belastet. Mittlerweile fragen sich auch renommierte Ökonomen, wann das erste Euro-Land bankrott geht. Die Konsequenzen könnten folgenreich sein und im Zerfall des Währungsblocks münden.

Erst gestern hatte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn vor Spannungen in der europäischen Währungsunion gewarnt. "Die Euro-Zone braucht mehr wirtschaftspolitische Koordination, sonst werden die Unterschiede zwischen den Staaten zu groß, und die Stabilität des Währungsraums ist in Gefahr", sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in einem Interview mit der "Zeit".

Die Zinsdifferenzen in der Euro-Zone vergrößern sich damit weiter. Hohe Risikoaufschläge können für Länder wie Spanien und Griechenland zudem die Latte hoch legen, sich zu refinanzieren. Im schlimmsten Fall droht die Zahlunfsunfähigkeit eines Euro-Landes.

Europäische Währung erstmals in Gefahr

Nun schreibt die "Financial Times Deutschland" davon, dass die europäische Währung erstmals wirklich in Gefahr sei. Im schlimmsten Fall halten die Experten sogar einen Zerfall des Währungsblocks für möglich: Finanzschwache Staaten könnten aus dem Euro-Verbund ausscheiden. Das Experiment Euro könnte also scheitern. 16 Länder - mit unterschiedlicher Wirtschafts- und Haushaltspolitik - in einen Währungstopf zu werfen, könnte sich also als fatal erweisen.

Der französische Liberation-Journalist Jean Quatremer malte bereits vor einigen Tagen in seinem Blog schwarz: "Die Märkte wetten auf eine Explosion der Gemeinschaftswährung". "Selbst besonnene Leute denken darüber nach, ob ein Euro-Mitglied wie Griechenland zahlungsunfähig wird", sagt auch der seriöse US-Ökonom Barry Eichengreen laut "Financial Times Deutschland".

Angst vor Dominoeffekt

Wie groß ist die Gefahr eines Zerfalls des Währungsblocks tatsächlich? Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Länder der Euro-Zone den Bankrott eines Mitglieds verhindern würden. Die Angst vor einem Dominoeffekt ist einfach zu groß.

Lösung ist aber auch keine wirklich in Sicht. So beharrt der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück darauf, dass jedes EU-Land souverän über den Schuldenabbau entscheiden soll. Eine gemeinsame Ausgabe von Euro-Staatsanleihen aller Euro-Länder lehnt er strikt ab. Das würde zwar Ländern in Not helfen, aber Deutschland schaden.

Brisante EU-Studie

Erst vor drei Wochen sorgte eine vertrauliche EU-Studie für Aufsehen, die vor den Gefahren einer auseinanderlaufenden Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Euro-Zone warnte. Das erschwert der EZB zunehmend, eine einheitliche Geldpolitik zu machen.

Die Kommissionsanalyse zeigte, dass der Euro zehn Jahre nach seiner Einführung nicht zu einer Annäherung der Wirtschaftspolitik in den 16 Ländern geführt hat. Die Regierungen unterwerfen sich zwar den Haushaltsregeln des Stabilitätspakts. In anderen Fragen der Wirtschaftspolitik blieben sie hingegen souverän und verpflichteten sich nur zu unverbindlichen Absprachen.

(Red./phu)