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Büros drehen die Sonne auf

Bueros drehen Sonne
(c) AP (MICHAEL PROBST)
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Jetzt dämmert es auch den Büros: Die beste Energie-Sparlampe ist ganz natürlich. Und geht jeden Tag auf und unter.

Irgendjemand muss ja im Mittelpunkt stehen. Für die Immobilienentwickler sind es meist die Renditen. Für die Mieter die Kosten. Seit dem Urknall dreht sich die Erde um die Sonne, deutliche kürzer kreist auch das Thema Energieeffizienz um sie. „Das Sparpotenzial bei der Beleuchtung ist enorm“, sagt Peter Dehoff, zuständig für strategische Lichtanwendungen bei der Firma Zumtobel, „das künstliche Licht verbraucht bis zu 40 Prozent der Gebäudeenergie“. Viel zu viel, sagen nicht nur die Lichtforscher. „Licht ist die Kunst der Architektur schlechthin“, meint Dehoff. Draußen vor der Tür gibt es davon genug. Und das laut Prognosen noch einige hunderttausend Jahre lang. Die Helligkeit transportiert sich von selbst, bis ihr Mauern oder mangelhafte Lichtplanung im Wege stehen. „Selbst bei Wolken beträgt die Beleuchtungsstärke unter freiem Himmel 10.000 Lux“, sagt Verena Bartenbach vom Lichtlabor Bartenbach. Drinnen am Arbeitsplatz braucht man, laut Norm, zumindest 500 Lux.

 

Licht leiten und lenken

„Wenn Tageslicht nutzbar ist, sollte man es nutzen“, so Dehoff. Es ist nicht lange her, da sparte man eher an Fensteröffnungen als an Energie. Danach war man umso großzügiger mit Glas in den Fassaden. „Doch das bedeutet nicht automatisch eine gute Belichtung“, weiß Bartenbach. Oft sei es direkt beim Fenster zu hell, weiter innen dagegen zu dunkel. Die Kunst sei es, das Licht in die Raumtiefe zu transportieren. Nicht mit Säcken wie die Schildbürger, sondern mit neuen Technologien wie kluge Lichtplaner. Intelligent sind heute auch die Jalousien, die einen zweifachen Auftrag erfüllen: „Die Sonne bleibt draußen. Das Licht darf hinein“, formuliert Bartenbach. Umlenkungslamellen werfen das Licht in den Raum, meist an die Decke. „Von dort kann man es mit Lamellen noch tiefer in den Raum lenken.“ Auch in den Scheiben selbst können Elemente zur Lichtsteuerung integriert werden. In Oberlichten etwa, unter denen man bei Tageslicht alles sieht, ohne geblendet zu werden. Mit Heliostaten und Prismensystemen kann man das Licht dort hinleiten, wo man es braucht. In Schächte etwa, von denen sich das Licht per Spiegel in alle Bürogeschosse verteilt. Oder neuerdings auch in Glasfaserkabel, die das Sonnenlicht gebündelt in Innenräume scheinen lassen. Allerdings zurzeit noch im Labor. Aber bald vielleicht auch im Büro.

„Kunstlicht sollte man als Ergänzungslicht verwenden“, sagt Bartenbach. Wenn Wolken und Dämmerung die natürliche Helligkeit dimmen, kommt die Zeit für Steuerungssysteme. Bei Bedarf schalten sie Kunstlicht zu und wieder ab, wenn sich die Wolken oder die Nacht verziehen. „Kunstlicht und Tageslicht konkurrieren nicht, sie harmonieren“, sagt Dehoff. Nach Sonnenuntergang bleibt die Frage, was leuchtet wo, wie stark und wohin. Farbe und Oberflächen von Wänden und Böden bestimmen ebenfalls, wie viel Licht und Strom man braucht. „Alles ist kalkulierbar“, sagt Bartenbach.

LED gilt als die sparsamste Leuchtmittel-Technologie. Allerdings noch nicht in den Büros. „Hier sind Leuchtstoffröhren bei großen Flächen noch effizienter“, meint Dehoff. Die neue Generation flackert nicht mehr. Und auch das Lichtspektrum wirkt angenehmer. Am meisten spart man noch immer, wenn Licht nur brennt, wenn man es braucht. „Unsere Philosophie ist, manuell einschalten lassen. Automatisch abschalten“, sagt Dehoff. Und am besten ist, vorzubauen, statt nachzurüsten: Wie im Projekt EnergyBase in Wien. Wo sich Grundriss und Jalousien von Anfang an nach der Sonne orientiert haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2009)