Um die längste schwarze Piste, unverspurtes Gelände oder Inversionswetter auszukosten, muss man weg von bekannten Namen. Die Größe liegt im Kleinen – in kleinen Kärntner Skigebieten.
Ein Bad Kleinkirchheim, einen Katschberg oder ein Nassfeld – wer (noch) gern Ski fährt, kennt diese Pistenreviere in Kärnten. Die Distanzen erlauben es, sich während eines Skirlaubs ein paar Gebiete anzusehen, die nicht an Pistenkilometern, aber an Atmosphäre oder Herausforderung einander ebenbürtig sind.
1. Sportlich, knietief und tiefschwarz: Das Goldeck
Im allgemeinen hochwinterlichen Pistengewimmel verteilen Skifahrer, wenn sie schöne, steile und dazu vergleichsweise freie Pisten entdecken, bald einmal Attribute. Der Geheimtipp-Status vom Goldeck ist aber tatsächlich keine Übertreibung. Die Pisten auf diesem Berg direkt bei Spittal/Drau lassen sich anspruchsvoll und abwechslungsreich an.
Wer hier unterwegs ist, hat meist mehr Tempo drauf und steht sicherer auf den Kanten als anderswo. Selbst wenn man einer Horde Kids begegnet, handelt es sich dabei höchstwahrscheinlich nicht um Skikursanfänger, sondern um Rennnachwuchs beim Training. Dass sich hier große Radien ausfahren lassen, spricht für eine geringere Skifahrerdichte. Es kommt also nicht von ungefähr, dass sich das Goldeck „Kärntens Sportberg“ nennt.
Vom Gipfel aus stehen am südlichen Horizont die Karnischen Alpen Spalier, im Norden fällt der Blick bis weit in die Hohen Tauern. Weil die Hütten zahlreich und von der gemütlicheren Sorte sind, mag man bleiben bis kurz vor Liftschluss. Ganz hinunter führt eine Rekordabfahrt, die mit 8,5 Kilometern längste schwarze Piste in den Alpen. Müde kürzen sie ab, indem sie die etwas nostalgisch anmutende Gondel nehmen oder mit dem Auto die Panoramastraße hinunterschrauben.
Es passt zum sportlichen Image, dass auch die Freerider zum Zug kommen. Vor ihnen breiten sich 50 Hektar Gelände aus. Man soll's am Anfang nicht übertreiben, ein guter Start in den Tiefschnee ist der Martennock. Was die Hänge rundum hergeben, zeigt sich speziell am 7. 3. beim Freeride Cup.
2. Eine Region, drei verschiedene Universen: Ski Kärnten
Gemessen an den meisten südlichen Revieren verhält sich die „Ski Kärnten“-Region wie ein Riese, tatsächlich handelt es sich aber um drei übersichtliche hochalpine und geografisch nicht ganz zusammenhängende Skigebiete.
Sehr unterschiedlich sind die drei überdies: Heiligenblut sieht dem Großglockner und Dutzenden anderen Dreitausendern ins Auge, der Skifahrer nutzt hier gern den Tiefschnee, die Varianten, die Skirouten. Besonders stimmungsvoll ist die Abfahrt am Fallbichl hinunter und das Hinaufgondeln mit der neuen Bahn. Hochalpiner geht's nicht.
Der Mölltaler Gletscher spielt im Hochwinter durchaus eine Rolle, es braucht nur Inversionswetter und man sitzt oben auf der großen Terrasse vor dem Eissee-Restaurant und bekommt vor lauter Strahlendweiß einen Flash nach dem anderen. Dass der Trend zum Snowboard längst wieder abflaut, merkt man auf Kärntens Gletscherskigebiet nicht.
Der Ankogel ist sozusagen der dritte im Bunde der Skiregion am Rand des Nationalparks Hohe Tauern, und der kleinste auch. Aber alle Achtung: Die schwarzen Pisten sind hier wirklich schwarz und nicht ein Upgrade der roten.
3. Trainingscamp für Spitzenathleten und Kids: Innerkrems
Stichwort Nationalpark: Im Einflussbereich vom Nationalpark Nockberge steht die Innerkrems. Das in einem Seitental bei Gmünd gut versteckte Skigebiet kennen speziell die Spitzenathleten. Hierher kommen sie, um im Alpinen Leistungszentrum zu trainieren.
Dass man manche Kaliber auf der Piste sieht, soll Eltern und Kinder nicht abschrecken. Das Programm, das sich das Lieser-/Maltatal als „Familiental“ verordnet hat, zieht man hier auch durch. Wie in vielen Regionen Kärntens zu beobachten, geht der Trend auch hier ins Gelände, verständlich, denn es gibt hier viele Möglichkeiten. Ein spezieller Einkehr-Tipp: die Blutige-Alm-Hütte.
4. Ohne Lift und mit der Sonne: Die Villacher Skiberge
Es war die richtige Entscheidung, vor ein paar Jahren die Lifte auf dem Dobratsch abzubauen. Am Villacher Hausberg ist es seither keineswegs einsam geworden. Vielmehr packen die Eingeweihten ihre Tourenski, stechen durch die Nebeldecke auf diesen seltsamen Berg hinauf (er ist südseitig nach einem Erdbeben abgebrochen) und freuen sich über unpräparierte Hänge. Nicht viel weiter von Villach entfernt liegt der zweite Freeride-Tipp der Region. Der Anstieg auf das Verditz gestaltet sich etwas leichter als auf den Dobratsch und es geht auf diesen idyllischen Berg auch nicht so weit hinauf. Also ein idealer Einstieg.
Die Gerlitzen, das Zentralgestirn der Villacher Skiberge, ist bei den Stadtkärntnern so etwas wie Pflicht. Es bereitet daher größere Freude, sie wochentags heimzusuchen. Dann aber lohnt es, denn Pisten fallen von der „Glatze“, so der Spitzname der Gerlitzen, in jede Richtung ab, das heißt, man carvt immer mit der Sonne.
5. Nockberge schön dezentral: Flattnitz, Falkert und Hochrindl
In den Nockbergen muss man nur in Seitentäler einbiegen und Serpentinen hinaufkurven, damit man als Nichtkärntner Neuland entdeckt.
Die erste Station heißt Flattnitz. Man glaubt nicht, dass ein so kleines Skigebiet über so interessante Abfahrten verfügen kann. Alles wirkt hier sehr naturbelassen, gemütlich und damit familiär. Was zur Folge hat, dass hier auch viele Kinder unterwegs sind. Dass auf der Flattnitz nicht jeder mögliche Quadratmeter pistentechnisch erschlossen ist, animiert dazu, ins Gelände hinauszufahren. Einzig vermisst man hier die sonst übliche Hüttenauswahl. Atmosphärisch ziemlich anders mutet der Falkert an. Hier schleppt der Lift den Skifahrer gleich über die Baumgrenze hinaus, ein paar Lärchen, die für die Nockberge typischen Bäume, stemmen sich der für die Nockberge typischen Thermik entgegen: Manchmal kann es auf 2300 Meter sehr stürmisch-böig werden. Bei Schön-Schneewetter, also oft, erweist sich der Falkert mit seinem tief verschneiten See in der Mitte und den netten Hütten rundherum als sichere Schneeschüssel. Man positioniert sich als Kinderskigebiet – für alle, die sich wundern, warum dort Gastronomie und Skipark so viel mit der Kinderbuchfigur Heidi zu tun haben.
Noch ein weiteres kleines Nock-Skigebiet: Am Hochrindl grasen im Sommer tatsächlich viele Rindviecher, im Winter stapfen speziell Tourengeher über den Almboden hinauf auf die runden weißen Gipfelkuppen. Eine buchstäbliche Ochsentour zum Beispiel startet von hier aus, die „Transnock-Tour“ verlangt mit neun Stunden Gehzeit von Alpinisten so ziemlich alles. Gut, wenn man sich danach in einer der urigen Hütte einquartieren kann. Die Pisten sind gegen die Tiefschneestrapazen ein Spaziergang, aber doch so abwechslungsreich, dass sie einen gemütlichen Skitag lang auslasten.
SKISPUREN IN KÄRNTNER GEHEIM-ECKEN
■Zum Skigebiets-Surfen:
Goldeck: www.goldeck-spittal.at
Nockberge: www.nockberge.at
Flattnitz: www.flattnitzer-lifte.at Falkert: www.skihit.at
Hochrindl: www.hochrindl.at
Innerkrems: www.innerkrems.at
Ski Kärnten: Großglockner/Heiligenblut, Mölltaler Gletscher, Mallnitz/Ankogel, www.ski-kaernten.at
Villacher Skiberge: Gerlitzen,
Verditz, Dobratsch; Dreiländereck: www.region-villach.at
Übersicht über weitere kleine (und große) Skigebiete: www.kaernten.at
■Skitickets: Der „TopSkiPass Kärnten Osttirol“ erschließt 34 Skigebiete ebendort. Gültig ab 1,5 bis 14 Tage. Bei den Talstationen. www.topski.at
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2009)