Arthur Millers „The Price“ als nostalgisches Theater für Mimen in Vienna's English Theatre.
Viel Staub liegt auf den alten Möbeln. Sie türmen sich auf dem Dachboden eines Abbruchhauses. Zwei zerstrittene Brüder wollen die familiären Mobilien verramschen. Der banale Anlass bringt sie zusammen, erstmals seit 16 Jahren. Es wird die Stunde der Abrechnung. Beide sind gescheitert: der Polizist Victor an der Lebenslüge, seine Karriere für den Vater geopfert zu haben, der Chirurg Walter an seiner Unfähigkeit, Menschen an sich zu binden. Die Vergangenheit, für sie wertloses Gerümpel, werden sie nicht los.
Viel Staub liegt auch auf diesem Stück, einer späten Variation von Millers Hit „Tod eines Handlungsreisenden“. Bilanz ziehen, das Leben von tröstlichen Träumen entrümpeln, auch vom amerikanischen Traum, jeder könne es schaffen – das war sein aufklärerisches Ethos. Doch in dieser Geschichte, die konstruiert und im Detail unplausibel bleibt, wirkt es heute so verblasst wie das Furnier auf den Möbeln der Gebrüder Franz.
„Tolle Rollen für Schauspieler“
Um es aufzupolieren, brauchte es eine kräftige Regiepranke. Doch das ist, zugegeben, nicht der Auftrag dieses Theaters, das „The Price“ bis 6.März als ein Stück Tradition zelebriert. Es soll die Staubkörner im Lichte gediegener Schauspielerei zum Glitzern bringen. Ganz im Geiste Millers – „tolle Rollen für Schauspieler“ nannte er sein Vermächtnis. Und die hat er auch hier geliefert. Die gar nicht so holzschnittartigen Studien des Märtyrers Victor und des Egoisten Walter sind dankbar – und Andy Prosky und Gary Sloan lassen sich, vor allem gegen Ende, nicht bitten. Leisa Mather als Victors Frau Esther liefert routinierte Stichworte zum brüderlichen Hahnenkampf.
Ein Leckerbissen für angejahrte Mimen aber ist der ironische Kontrapunkt zum Familiendrama: der alte, lebensweise Antiquitätenhändler Solomon. Er will einen guten Deal machen, wird in den Streit hineingezogen und verweigert sich doch der Rolle des salomonischen Richters. Ray Reinhardt liefert ein amüsantes, melancholisch grundiertes Porträt. Ein schöner Tribut an Robert Prosky: Der Vater des Victor-Darstellers führte Regie und sollte, wie früher mit beiden Söhnen in den USA, selbst den Solomon spielen. Er starb unerwartet im Dezember.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2009)