Astrophysik: Kochender Bruder der Erde

Corot Satellit
Corot Satellit(c) AP (D DUCROS)
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Weltraumteleskop CoRoT findet ersten exo-terrestrischen Planeten.

Wir haben den ersten exo-terrestrischen Planeten gefunden“, berichtet Günther Wuchterl, österreichischer Astrophysiker an der Thüringer Landessternwarte, der „Presse“: „Leben ist auf ihm allerdings nicht möglich, er ist heiß, steht permanent unter extremem Dampf.“ „Wir“, das ist das Team von CoRoT, und CoRoT ist ein Weltraumteleskop, das seit 2007 den Himmel auf Planeten außerhalb des Sonnensystems absucht, es beobachtet systematisch Sterne – Himmelskörper wie unsere Sonne, die sich selbst verbrennen und mögliche Trabanten mit Wärme und Licht versorgen –, bisher sind 100.000 abgesucht. Sechs Planeten hat CoRoT detektiert, insgesamt kennt man heute 335 Exoplaneten.

Aber alle sind große Gasplaneten, der Neue hingegen – CoRoT-Exo-7b, in einigen hundert Lichtjahren im Sternbild des Einhorn – ist einer mit den Eigenschaften, wie sie die inneren Planeten unseres Sonnensystems haben (Merkur, Venus, Erde, Mars), er besteht aus schweren Elementen. Er ist der Erde sehr ähnlich, hat sechs Erdmassen und eindreiviertel Erdradien, damit eine Dichte nahe der der Erde. Auch sein Stern ist unserer Sonne ähnlich, etwas kleiner. Rechnet man alles um, bietet sein Durchgang vor seinem Stern das gleiche Bild wie der der Venus vor der Sonne (die Erde selbst kann man ja von ihr aus nicht Durchgehen sehen).

Aber der Planet kreist extrem eng um seinen Stern, viel näher ginge es nicht, sonst würde er zerrissen: Seine Umlaufzeit beträgt 0,87 Tage, das sind 21 Stunden. Entsprechend hoch sind die Temperaturen, dieses Pendant zur Erde hat 1700 bis 2000 Grad.

Dass der Zwerg überhaupt gesichtet werden konnte, liegt an der extrem feinen Optik von CoRoT. Das war ursprünglich ein österreichisch-französisches Projekt mit einer ganz anderen Aufgabe. Als es geplant wurde, hatte man noch keine Hoffnung, Exoplaneten zu detektieren. CoRoT sollte die Seismik von Sternen erkunden – die sind nicht ruhig, sie kochen, vibrieren –, deshalb hat die Kamera offene Augen für Helligkeitsunterschiede. Die sind inzwischen ein Fingerzeig auf Planeten: Wenn einer gerade vor (oder hinter) seiner Sonne durchzieht, verändert sich deren Helligkeit minimal, um Promille.

CoRoT kann die messen, er wurde zum europäischen Projekt der Planetenjäger, ausnahmsweise hinken die USA hinterher, noch einige Zeit. Bei der Präsentation ihres Fundes in Paris zeigte sich das CoRoT-Team zuversichtlich, dass es nicht nur einen „exo-terrestrischen“ Planten gibt – und dass mancher wirklich „erdähnlich“ sein wird.

PLANETEN: Definition

Rund muss ein Himmelskörper sein (das gibt eine Mindestgröße, die Gravitation muss ihn einebnen) und um einen anderen kreisen muss er, wenn er Planet sein will. Schließlich muss er seine Bahn „putzen“ (von anderen Himmelskörpern). Weil Pluto das nicht tut, wurde er zum „Zwergplaneten“ degradiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2009)

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