Sportartikel-Messe: Im Schlaraffenland gibt es keine Krise

ISPO Muenchen 2009
ISPO Muenchen 2009(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Felix Roittner)
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Recycling-Skischuhe, Skijacken und Durchblick auf Knopfdruck – die ispo München als Sportartikel-Mekka.

MÜNCHEN. Es ist unmöglich, in die Zukunft zu schauen, heißt es. Stimmt nicht. Bei der ispo, der größten Sportmesse Europas in München, ist es, als könnte man in die Glaskugeln unzähliger Wahrsagerinnen blicken und sehen, was die Wintersportzukunft bringt. Wer immer aus der Branche sich dieses Spektakel entgehen lässt, weiß nur über Schnee von gestern Bescheid.

Entsprechend gewaltig ist der Zustrom. An Besuchern, aber auch an Herstellern. Auf 185.000 mtummeln sich 1950 Aussteller aus 50 Ländern, alleine 78 aus Österreich. In den Gängen der 17 Hallen herrscht Gedränge, von der Ski- über die Snowboard-Ausrüstung bis zum Outdoor-Equipment wird gezeigt, was im nächsten Winter en vogue sein wird. Von einer Krise spürt diese Branche nichts.

„Wir verkaufen Sport und Gesundheit“, sagt Ernst Kofler, Produktmanager bei Intersport, „in diesen Bereichen wird immer investiert.“ 527 Millionen Euro hat die Gruppe im Vorjahr in Österreich umgesetzt und damit um rund 10 Prozent zugelegt. Ein Trend, der sich 2009 fortsetzt. Nach dem schwachen Winter 2007 spiele nun das kalte Wetter dem Geschäft in die Hände. „Sport ist eines der letzten Dinge, bei denen man spart“, ist auch Christian H. Mann, Chef der Intersport-Kommunikation, überzeugt. Die Kunden würden sich aber in Zukunft genauer überlegen, wo sie am meisten für ihr Geld bekommen.

Bio-Wahn auf der Piste

In den Hallen der ispo werden Wintersport- und Freilufterlebnisse zum Angreifen angeboten, eine Performance, die Lust macht, die Skier zu packen und in die Berge zu fahren. Videos mit Ski- und Snowboard-Simulatoren verstärken die Eindrücke. Natürlich nicht, ohne auf naturnahe Produktinnovationen hinzuweisen.

Skihersteller Atomic etwa präsentiert den ersten zu 80 Prozent aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellten Skischuh. „Renu“ besteht aus Biokunststoff, Baumwolle und Bambusfasern und kann recycelt werden. Bei Salomon setzt man in der Skiherstellung bei den Modellen „Shogun“ oder „Geisha“ ebenfalls auf Bambus. Rucksackhersteller Klättermusen hingegen verwendet alte Fischernetze und abgenutzte Teppichböden als Ausgangsmaterialien. Auch Uvex lieferte einen Eye-Catcher: eine Skibrille, die auf Knopfdruck dunkler wird. „Variotronic“ liefert dank LCD-Kristalltechnologie verschiedene Helligkeitsstufen und bietet optimale Sicht. Der Nachteil: Die Batterie hält nur acht Stunden.

Energiefresser sind neben den in Jacken eingebauten MP3-Geräten all die beheizbaren Jacken, Hosen und Ski- und Handschuhe. Für wen Geld keine Rolle spielt, der kombiniert dies mit Hosen und Jacken aus Spyders „L-Serie“: Kristalle von Swarovski garniert mit Kunst- oder Echtfellkragen sind beim Après-Ski sicher schick.

Hingucker sind es, echte Trends aber, so Intersport-Experte Kofler, gebe es heuer kaum. Dafür dominiert das Thema Sicherheit. Die Wachstumsraten bei Protektoren sind enorm, bei Helmen gigantisch. Die Lager der Hersteller sind ausverkauft. Intersport verkaufte in dieser Saison 100.000 Stück.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2009)

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