775.000 Arbeitnehmer in Deutschland zu Kurzarbeit gemeldet

VW Kurzarbbeit
VW Kurzarbbeit(c) AP (Fabian Bimmer)
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Allein im Jänner gingen neue Anmeldungen für rund 290.600 Arbeitnehmer aus 10.600 Betrieben ein. Betroffen sind vor allem Mitarbeiter der Auto-Industrie.

Als Folge der Wirtschaftsflaute schicken die Unternehmen in Deutschland immer mehr Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Seit Oktober wurden bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) fast 775.000 Beschäftigte wegen Auftragsrückgängen für Kurzarbeit angemeldet. Allein im Jänner gingen neue Anmeldungen für rund 290.600 Arbeitnehmer aus 10.600 Betrieben ein, wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. Der Anstieg fiel damit ähnlich hoch aus wie im Dezember.

Arbeitsminister Olaf Scholz wertete dies als Hinweis, dass die Betriebe in der Krise Entlassungen vermeiden wollen. "Kurzarbeit verhindert Arbeitslosigkeit", sagte der SPD-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters. "Deshalb haben wir die Möglichkeiten, sie zu beantragen und zu nutzen, bewusst vereinfacht. Wenn das breit in Anspruch genommen wird, ist das gut."

Vor allem Auto-Industrie betroffen

Durch Kurzarbeit können die Betriebe Auftragsflauten ohne Kündigungen überbrücken. Die BA übernimmt 60 Prozent und bei Arbeitnehmern mit Kindern 67 Prozent des dadurch ausfallenden Nettolohns. Die Bundesregierung hatte die Unternehmen ausdrücklich ermutigt, in Zeiten der Wirtschaftskrise auf Kurzarbeit zu setzen statt Arbeitsplätze abzubauen. Als Anreiz dafür übernimmt die BA die Hälfte der bisher von den Arbeitgebern allein zu tragenden Sozialabgaben für Kurzarbeit.

Betroffen von Kurzarbeit sind nach BA-Angaben vor allem Beschäftigte in der Automobilindustrie, in der Herstellung von Metallerzeugnissen und im Maschinenbau. Allein Volkswagen will 61.000 Beschäftigte in die Zwangspause schicken. Bei Daimler sind rund 50.000 Arbeitnehmer betroffen.

Zur konjunkturell bedingten Kurzarbeit kommt noch die Saisonkurzarbeit hinzu, die wetterbedingt vor allem am Bau entsteht. Dafür wurden im Jänner 49.300 Beschäftigte neu bei der BA angemeldet. Insgesamt verzeichnete die BA daher im Jänner rund 347.400 Anmeldungen für Kurzarbeit.

Bei den veröffentlichen Zahlen handelt es sich um sogenannte Anzeigen von Kurzarbeit. Sie sind Voraussetzung dafür, dass Betriebe für ihre Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld erhalten. Die genaue Zahl der tatsächlich in Zwangspausen geschickten Arbeitnehmer kann die BA derzeit nicht nennen, da diese Zahlen zum Ende eines Quartals erfasst werden. Die neuesten Zahlen für das letzte Quartal 2008 veröffentlicht die BA Ende Februar.

Auch jetzt Anfang Februar hielt die Welle an: Der Autobauer Daimler und der weltgrößte Autozulieferer Bosch weiten ihre Kurzarbeit aus. Bei Daimler werden von März an voraussichtlich 700 Beschäftigte des Werkes in Gaggenau von der Maßnahme betroffen sein, sagte eine Sprecherin am Mittwoch in Stuttgart. Bei Bosch wurde in den Standorten Hildesheim für 1.100 und in Nürnberg für 1.700 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet sowie in Homburg die Zahl auf 1.900 ausgeweitet.

Bei Bosch steige damit die Zahl der angemeldeten Kurzarbeit auf 15.000 Beschäftigte, sagte eine Sprecherin und bestätigte Medienberichte. Insgesamt arbeiten 114.000 Menschen für den Stuttgarter Autozulieferer in Deutschland. Bei Daimler müssen von März an etwa 50.700 Mitarbeiter kurz arbeiten. Im Werk Gaggenau (Kreis Rastatt) gibt es 6.500 Beschäftigte. Unter anderem werden Schaltgetriebe für die Mercedes-Benz A- und B-Klasse hergestellt. Bei Mercedes-Benz Cars arbeiten in Deutschland rund 85.000 Menschen.

(APA)

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