Berufskrankheiten: Frauen benachteiligt

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Grüne kritisieren Gesetze und Arbeits-Inspektorat. Frauensprecherin Schwentner will nun initiativ werden: Sie fordert von Sozialminister Hundstorfer einer Änderung der Berufskrankheiten-Liste.

Wien. „Die Arbeitsmedizin und die Arbeitsinspektorate sind am Gender-Auge etwas blind“, kritisiert die grüne Frauensprecherin Judith Schwentner. Die Anerkennung von Berufskrankheiten sei nämlich auf männerdominierte Branchen zugeschnitten. So werde ein Wirbelsäulenschaden nur dann als Berufskrankheit anerkannt, wenn er durch Vibration von hoher Frequenz (also zum Beispiel durch Pressluftwerkzeuge) verursacht wurde. Diese Regelung nütze aber den etwa oft in Gesundheitsberufen beschäftigten Frauen, die den Wirbelsäulenschaden durch das Heben von Patienten bekommen, nichts.

Laut dem Tätigkeitsbericht der Arbeitsinspektion beträgt der Frauenanteil bei anerkannten Berufskrankheiten nur 14 Prozent (Stand 2007). Das sei aber nicht darauf zurückzuführen, dass Frauen generell gesünder sind, meinen die Grünen. Denn die Anzahl der Krankenstandsfälle sei bei beiden Geschlechtern ungefähr gleich hoch. Besonders benachteiligt sind Frauen, wenn es um Schwerhörigkeit als Berufskrankheit geht: Nur zwei Prozent der anerkannten Fälle entfielen auf Frauen. Dabei ist die Lärmbelastung in weiblichen Berufen durchaus sehr stark.

Viel Lärm im Kindergarten

Die Grünen verweisen darauf, dass laut einer dänischen Studie der tägliche Lärmpegel im Kindergarten 80 bis 85 Dezibel betrage. An anderen Arbeitsplätzen, etwa in der Industrie, sei bei derartigen Lärmbelastungen bereits ein Hörschutz vorgeschrieben. Auch im Gastgewerbe – dort sind ebenfalls viele Frauen beschäftigt – herrsche selbst ohne Musik ein hoher Lärmpegel.

Schwentner will nun im Parlament initiativ werden: Sie fordert von Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) einer Änderung der Berufskrankheiten-Liste im ASVG. Überdies müsse sich die Praxis bei der Anerkennung von Berufskrankheiten verbessern, damit auch Frauen die nötigen Therapiemaßnahmen bekommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2009)


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