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Schuldenmachen wird für den Staat immer teurer

(c) Die Presse (Fabry Clemens)
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Bank rät zum Verkauf von österreichischen Staatsanleihen. Finanz-Experten rätseln, ob Österreich das prestigeträchtige Triple-A-Rating verlieren wird.

Wien. Die Meldung lief um 13.39 Uhr über die Finanzagentur Bloomberg: Die Experten der Commerzbank, der zweitgrößten Bank Deutschlands, raten internationalen Investoren, zehnjährige österreichische Staatsanleihen zu verkaufen. Als Grund nannte Analyst Peter Müller die engen Verflechtungen der österreichischen Wirtschaft zu Osteuropa.

Für die Wiener Regierung ist das starker Tobak. Denn der Bund will sich heuer Anleihen über 24 bis 30 Mrd. Euro holen. Um Abnehmer zu finden, werden immer höhere Zinszahlungen fällig. Laut UniCredit-Analyst Michael Rottmann liegt der Risikoaufschlag für zehnjährige österreichische Staatsanleihen schon bei 4,28 Prozent. Damit haben die heimischen Papiere fast das Niveau von Spanien (4,32 Prozent) erreicht. Zum Vergleich: Deutschland kommt mit 3,36 Prozent vergleichsweise gut weg.

 

„Nicht der sicherste Platz“

Staatsanleihen im Euro-Raum werden von Anlegern gekauft, die so gut wie kein Risiko eingehen wollen. Wegen der Wirtschaftsbeziehungen zu Osteuropa ist Österreich derzeit nicht unbedingt der sicherste Platz, sagen Analysten. Das Kreditvolumen, das Österreichs Banken in Osteuropa ausständig haben, erreicht mit 230Mrd. Euro 68 Prozent des heimischen Bruttoinlandsprodukts. Kommen die Institute in Bedrängnis, muss der Bund einspringen. Rottmann ist überzeugt, dass Österreich weiterhin Käufer für Anleihen finden wird. „Aber das Ganze wird für den Staat teurer.“ Laut Angaben des UniCredit-Experten habe es seit 1994 noch nie einen so hohen Aufschlag für österreichische Staatspapiere gegeben: „Es könnte weiter nach oben gehen.“

Bereits vergangenen Herbst machten Gerüchte die Runde, die Wiener Bundesfinanzierungsagentur, über die sich der Staat auf den Kapitalmärkten das Geld besorgt, habe die Emission einer Anleihe wegen des Osteuropa-Risikos gestoppt, was jedoch dementiert wurde. Im Jänner brachte die Agentur eine fünfjährige Anleihe mit einem Volumen von drei Mrd. Euro auf den Markt. Diese war überzeichnet, doch die Verzinsung lag um 77,5 Basispunkte höher als eine deutsche Emission.

Finanzexperten rätseln, ob Österreich das prestigeträchtige Triple-A-Rating verlieren wird. „Wir erwarten keine Herabstufung“, heißt es im Finanzministerium. Jüngst senkten Ratingagenturen die Bonitätsnoten für Spanien, Portugal und Griechenland. Standard & Poor's hatte zuletzt das Rating für Österreich bestätigt. Mit Spannung wird auf die Analysen anderer Agenturen gewartet.

Von der Bundesfinanzierungsagentur war am Mittwoch niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Die zuständigen PR-Leute übermittelten eine positive Analyse von BNP Paribas. Was sie nicht sagten: BNP Paribas gehörte zu jenen Banken, die Österreich bei der Organisation der Jänner-Anleihe geholfen haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2009)