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Fußball: Keine „kleinen Ronaldos“ aus Hollabrunn

(c) GEPA (Andreas Reichart)
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Das Ende der Stronach-Akademie wirft viele Fragen auf. Austria, ÖFB und Liga weisen jede Schuld von sich.

WIEN (dat). „Die beste Akademie des Landes ist vielen ein Dorn im Auge. Der ÖFB und die Bundesliga versteifen sich auf ihre Regelungen, darum sperrt Frank Stronach zu!“ Karl Schörg, er ist der Schulleiter der Akademie in Hollabrunn, wirkt gebrochen. Seit neun Jahren laufe der FSA-Betrieb, werden Stronachs „Mustangs“ geschult und der Versuch unternommen, aus ihnen „lauter kleine Ronaldos“ zu machen. Immerhin: Zwölf Spieler schafften es in die Bundesliga, zwei Nachwuchstalente landeten in München, einer in Heerenveen und 25 Absolventen in der Adeg-Liga, rechnet Schörg vor. Mehr werden es nicht, die im Oktober 2000 eröffnete „Vorzeige-Akademie“ beendet mit 30. Juni ihre sportliche Tätigkeit.

Die FSA, die sich Stronach jährlich zwei Millionen € kosten ließ und bis dato Austrias Jungprofis ausbildete, sollte zum FC Wr. Neustadt übergehen. Das widersprach den Vorgaben des ÖFB, der in Österreich auf maximal zwölf Akademien setzt, drei allein in Niederösterreich wären zu viel. Es irritiert, schließlich liegt Hollabrunn nicht erst seit neun Jahren in Niederösterreich ...

Der Name Stronach steht zwar auf dem Schulzweig, aber Austria ist im Besitz der Lizenz, daher zählte Hollabrunn für den ÖFB auf dem Papier zu Wien. Am Mittwoch zog Magna den neuen Lizenzantrag zurück, nachdem er Wind davon bekommen hatte, dass sie ihm von der ÖFB-Kommission, die am Donnerstag tagen sollte, verwehrt werde. Der Kommentar der Kommission dazu fiel spärlich aus: Nach dem Rückzug sei eine Entscheidung „obsolet“ geworden.

Für 70 Jugendliche muss nun bei anderen Vereinen und Akademien ein Platz gefunden werden. Schörg: „Das ist so, als würde man Stams zusperren und alle Skispringer in Wien neu ansiedeln.“

 

Stronach, nicht Radetzky

Die Entwicklung hat mehrere Vorgeschichten. Auf der Suche nach einer neuen Heimstätte hatte es Stronach und seine Weggefährten von Favoriten nach Schwanenstadt, dann nach Wr. Neustadt verschlagen. Vorab wurde mit dem Landesverband eine „Vereinbarung“ getroffen: Magna findet Aufnahme in Niederösterreich, kann aber keine BNZ-Lizenz beantragen. Präsident Johann Gartner bestätigt, dass es die Vereinbarung, die einem Kuhhandel gleicht, gibt. „Jetzt ist der Worst Case eingetroffen“, sagt Gartner, ohne die Schuld beim ÖFB oder der Liga zu suchen. „Nach dem Bruch mit Austria wurde es von beiden Seiten verabsäumt, die Frage zu klären.“

Dass mehrere Ausbildungsstätten dem Fußball dienlich wären, glaubt Gartner nicht. Es gehe um Qualität, nicht Quantität. „Je mehr Akademien, desto schlechter wird der Durchschnitt.“ Diese Kalkulation hat aber eine Kehrseite. Eine Ausbildungsstätte weniger bedeutet, dass weniger Kinder Sport machen. Gartner sagt: „Hätte Stronach von Anfang an sein Geld, das er in den Fußball investiert hat, einer Nachwuchsstiftung gegeben, wäre ihm Österreich heute noch so dankbar wie dem Radetzky. So hat er nur Undank ...“

Austria sei, versichert Vorstand Markus Kraetschmar, „vorbereitet“ gewesen. Die Idee, mit Stronach den Betrieb in Hollabrunn weiterzuführen, fand kein Gehör. Nach dem Ende der Kooperation (2008) wurde daher mit der Schule in der Wendstettgasse ein Partner gefunden, um einen „Schulcampus Favoriten“ zu entwickeln. In Zusammenarbeit mit Wiens Sportbehörde (MA 51) wurde vergangenen Herbst ein Projekt erstellt, um die Infrastruktur der eigenen violetten Akademie zu garantieren. Ein Grundstück ist auch gefunden, es soll aber nicht in Rothneusiedl sein. Drei Plätze und eine Sporthalle sollen errichtet werden, die laufenden Kosten (eine Mio. € pro Jahr) trage der Verein. Dass die Stadt Wien für den Bau sieben Millionen € netto beisteuern wird, kommentierte Kraetschmar nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2009)