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Frag doch den Blähbauch

(c) APA (Roland Schlager)
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Manches Wort eignet sich nur zum einmaligen Gebrauch, ehe es auf die Sprachmüllhalde kommt.

So manches Wort eignet sich maximal zum einmaligen Gebrauch. Danach sollte es zusammengeknüllt und auf die Müllhalde der Sprache gekippt werden – so wie man auch ein angeschnäuztes Taschentuch schleunigst entsorgt. Passenderweise hat seinerzeit die Werbung für ein Einweg-Taschentuch ein solches Wort in die Welt gesetzt: „Sind Sie ein Durchnieser?“ wurden da Menschen befragt, die mit einem kräftigen Tröten gerade ein Loch in das feuchte – vorher mit einem Wasserzerstäuber benetzte (!) – Tüchlein geblasen hatten. Ein Einwegwort für ein Einwegprodukt – das macht durchaus Sinn. Und konsequenterweise ist dieser Neologismus wieder so schnell aus dem Wortschatz entschwunden, wie er gekommen war.

Ein aktuelleres Beispiel muss hingegen erst einmal verdaut werden, ehe es den finalen Weg in die sprachliche Jauchegrube antreten kann. Erraten, die Rede ist vom „Blähbauch“, der seit einigen Wochen äußerst aktiv durch eine Joghurtwerbung flatuliert. Zugegeben, eine wirkliche Neukreation ist das nicht, wird der Begriff doch gerne zur Beschreibung von Meteorismus, einer übermäßigen Ansammlung von Gas im Verdauungstrakt, herangezogen. Doch im Alltag – präziser: im Werbefernsehen – war man von diesem Wegwerfwort, das wohl synonym für den frisch gefüllten Wohlstandsbauch stehen soll, bislang noch verschont geblieben. Nun, da der Tabubruch vollzogen ist, bleibt die Hoffnung, dass die mentale Verdauung möglichst schnell voranschreitet und der krampfeuphemistische Hilfsausdruck bald wieder aus unserer medialen Wahrnehmung gespült wird. Unterdessen warten wir gespannt, mit welchem Eintagswort die Werbebranche als nächstes aufwarten wird. Gibt es den Begriff Atemdeo eigentlich schon?


erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2009)