Kein Futter für fette Katzen

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Bonifikationssysteme für Manager sind unglaubwürdig geworden.

Die Finanzkrise sei deshalb so schwer beherrschbar, weil es sich nicht um einen gewöhnlichen marktwirtschaftlichen Betriebsunfall, sondern um eine „systemische Krise“ handelt, hören wir immer öfter.

Das ist richtig.

Na also, hören wir auch immer öfter: Wir Manager können da gar nichts dafür. Ein Naturereignis, sozusagen.

Das ist falsch.

Wenn ein Auto aus der Kurve fliegt, dann ist daran unmittelbar auch nur das aus den Fugen geratene Gleichgewicht zwischen Fliehkraft und Haftreibung schuld. Aber in aller Regel setzt dieses Ereignis voraus, dass vorher ein Fahrer so dämlich oder leichtsinnig um die Kurve brettert, dass er diese Konstellation auslöst.

Und eine systemische Krise dieser Dimension setzt voraus, dass vorher weltweit eine ganze Reihe von Top-Playern unkalkulierbare Risken in sehr großem Ausmaß eingegangen sind. Diese Player haben alle Namen. Die meisten haben im Rahmen bestehender Regulierungen gehandelt, was aber am Crash-Ergebnis nichts ändert.

Es ist also einzusehen, dass sich Unmut unter jenen regt, die die Krise ausbaden müssen, während sich jene, die sie zumindest fahrlässig herbeigeführt haben, für ihren Crash-Kurs oft auch noch mit fetten Boni belohnen lassen.

Die Debatte geht aber in die falsche Richtung: Gehaltsobergrenzen für Manager in Unternehmen, die Staatshilfe beziehen, lassen sich zwar gut verkaufen, führen aber nur zu negativer Auslese: „If you pay peanuts, you get monkeys“, sagen die Amerikaner.

Was man sich aber wirklich anschauen muss, sind die Bonifikationssysteme, die normalerweise den größeren Teil der Topmanager-Einkommen ausmachen. Die haben sich nämlich völlig von der ursprünglichen Idee – Belohnung für besondere Leistung – gelöst. Und zwar ganz unabhängig von der Finanzkrise, wie man an – am öffentlichen Tropf hängenden – De-facto-Pleiteunternehmen wie AUA oder ÖBB sieht.

Solche Boni müssen künftig an nachhaltige Erfolgskriterien geknüpft werden, wenn das System wieder glaubwürdig werden soll. Die sind zwar nicht leicht festzumachen, wenn man sieht, wie mit Bilanzen ganz legal getrickst werden kann (siehe neben stehende Geschichte). Aber es muss sein, bevor außer Kontrolle geratene „Fat Cats“ die Marktwirtschaft ruinieren.


josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2009)

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