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Oberster Pius-Bruder distanziert sich von Williamson

Bernard Fellay
(c) Reuters (© Franck Prevel / Reuters)
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Bischof Bernard Fellay, Generaloberer der Pius-Bruderschaft, forderte den Holocaust-Leugner auf, "er solle die historischen Fakten studieren und seine falschen Aussagen korrigieren".

Der Generalobere der konservativen Pius-Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay, hat in einem Interview von "Spiegel online" den Holocaust-Leugner Richard Williamson zum Widerruf aufgefordert. "Er soll nun schnell die historischen Fakten studieren und seine falschen Aussagen korrigieren. Je schneller, umso besser", habe Fellay in seinem schriftlichen Statement auf telefonisch gestellte Fragen geantwortet, schreibt "Spiegel online" am Dienstag.

Fellay erklärte, nachdem er Williamsons Interview für das schwedische Fernsehen gesehen habe, habe er ihn sofort aufgefordert, "diesen Unsinn zu korrigieren. Dazu hätte es keiner päpstlichen Aufforderung bedurft". Der 50-Jährige gibt an, Williamson bereits am 31. Jänner als Leiter des Priesterseminars im argentinischen La Reja abgesetzt "und ihm öffentliche Auftritte ohne meine Erlaubnis untersagt" zu haben.

Williamson ist einer von vier Bischöfen der ultrakonservativen Piusbruderschaft, deren Exkommunikation Papst Benedikt XVI. zurückgenommen hatte. Der aus Großbritannien stammende Bischof hatte in dem Fernsehinterview die millionenfache Ermordung von Juden durch die Nazis geleugnet und behauptet, es habe keine Gaskammern in den Konzentrationslagern gegeben.

Fellay kritisierte deutsche Bischöfe

Fellay, der ebenfalls zu den vier Geistlichen gehört, deren Exkommunikation der Papst aufgehoben hatte, übte scharfe Kritik am Verhalten der deutschen Bischöfe. "Die deutschen Bischöfe fordern von uns, ihre Konzepte anzuerkennen. Gleichzeitig laufen ihnen die Gläubigen weg und sie haben keinen Nachwuchs. Wir haben unsere Konzepte und viele junge Familien", sagte er. Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz hatten sich von der Entscheidung des Papstes distanziert und eine Beschädigung des interreligiösen Dialoges befürchtet. Dazu schrieb Fellay: "Die Bischöfe bedauern, dass die jüdischen Organisationen mit ihnen keinen Dialog mehr machen wollen. Wenn der Niedergang so weitergeht, hat sich der Dialog von selbst erledigt, weil es keine Kirche mehr geben wird."

"Unglaubliche Pannen passiert"

Der Vatikan selbst arbeitet derweilen an der Aufarbeitung des Kommunikations-Desasters rund um die Aufhebung der Exkommunikation. "Da sind unglaubliche Pannen passiert", sagte Kardinal Walter Kasper am Dienstag vor österreichischen Dechanten und Journalisten in Rom. "So sehr die Intention des Papstes außer Streit steht, aber es ist nicht gut vermittelt worden", so der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.

"Mit Holocaust-Leugnern ist in der katholischen Kirche nichts anzufangen"

Dass die Annäherung der katholischen Kirche an die Lefebvrianer wegen der umstrittenen Holocaust-Aussagen von Richard Williamson bei Juden für Aufregung und Entsetzen gesorgt habe, sei verständlich. Dass Williamson von der Pius-Bruderschaft inzwischen die Leitung eines Priesterseminars in Argentinien entzogen wurde, hält Kasper für ein "positives Signal" und er ortet einen "gewissen Reinigungsprozess" bei der Pius-Bruderschaft. "Mit Leuten, die den Holocaust leugnen, ist in der katholischen Kirche nichts anzufangen", betonte der Kardinal.

Kommen positive Signale an die Juden?

Die Beziehungen zur jüdischen Glaubensgemeinschaft sieht Kasper intakt. "Von einer Unterbrechung der Beziehungen kann keine Rede sein. Es ist in den vergangenen zwei Wochen gelungen, das wieder hinzukriegen. Auch wenn es eine unnötige Belastung war, der Dialog geht weiter." Positive Signale in Richtung der jüdischen Glaubensgemeinschaft könnte es nach Meinung von Vatikan-Kennern am Donnerstag bei einer Audienz der Konferenz der jüdischen amerikanischen Organisationen bei Papst Benedikt geben. Ob der Heilige Vater dabei neuerlich auf seine bekannte Haltung zur Shoa eingeht, wird sich zeigen. Darüber hinaus laufen im Vatikan Vorbereitungen für eine Papst-Reise nach Israel, deren Termin noch nicht offiziell ist.

"Gau oder Super-Gau?"

Auch Erzbischof Claudio Maria Chelli gesteht Fehler in der Causa Pius-Bruderschaft ein. "Wir hätten manches vermeiden können, hätten wir eine bessere Kommunikation", erklärte der Präsident des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel. Noch deutlicher wird man eine Hierarchieebene tiefer. "Man kann darüber streiten, ob es ein Gau oder Super-Gau war", meinte etwa Benedikt Steinschulte, Referent im Päpstlichen Rat für soziale Kommunikationsmittel. Den Großteil der Schuld sieht Steinschulte im Vatikan selbst. Auf der obersten Ebene seien wesentliche Inhalte nicht kommuniziert worden, und dann habe auch noch das Krisenmanagement mit viel zu späten Erklärungen versagt. Der Papst selbst habe nichts von den Vorfällen gewusst, glaubt Steinschulte. "Hätte er gewusst, dass da ein Holocaust-Leugner dabei ist, hätte die Sache wahrscheinlich anders ausgesehen."

Bischof Clemens: "Medienwirbel"

Bischof Josef Clemens, Sekretär des Päpstlichen Rates für die Laien und ehemals fast 20 Jahre Privatsekretär des heutigen Papstes, sucht und findet die Schuld in der Angelegenheit hingegen vor allem außerhalb der Vatikan-Mauern. Er spricht von einem "Knäuel von nicht gerechtfertigten Einseitigkeiten und Verzerrungen" und von einem "Medienwirbel". Das Bemühen um die Einheit der Kirche gehöre zum Petrusamt dazu. Es sei vom Papst deshalb "völlig richtig" gewesen, sich dafür einzusetzen, dass es keine dauerhafte Spaltung gibt. Die Pius-Bruderschaft müsse sich nun ernsthaft mit den Inhalten des Zweiten Vatikanischen Konzils auseinandersetzen. Clemens würde sich wünschen, dass man das dort angesichts des "großen Schrittes" des Papstes "kapiert".

Auch in der "Sala Stampa", dem Presseamt des Vatikans, weiß man, dass bei der Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvrianer manches nicht ideal gelaufen ist. Der Papst ist dabei aber sakrosankt. Der Heilige Vater habe wiederholt klar und deutlich zu den Holocaust-Verbrechen Stellung genommen. "Der Papst hat alles gesagt. Wer verstehen will, versteht", heißt es in der "Sala Stampa".

(Ag.)