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Bankenhilfe Ost: Österreich kämpft um Hoffnungsmarkt

Bettler in Budapest
(c) REUTERS (LASZLO BALOGH)

Österreich versucht verzweifelt, Mitstreiter für ein Osteuropa-Bankenhilfspaket zu gewinnen. Das starke Ost-Engagement ist zur Gefahr für österreichische Banken geworden.

Wien.Wenn Finanzminister Josef Pröll heute zu seiner „Werbetour“ für ein „Bankenhilfspaket Ost“ aufbricht, fliegt er ins Auge des östlichen Finanztaifuns: Die Ukraine wandelt am Rand des Staatsbankrotts, in Rumänien drohen Kreditknappheit und Schuldenlast nicht nur Unternehmen, sondern auch immer mehr Private zu erdrücken. Und auch in Kroatien und Bulgarien ist der Finanzkreislauf ordentlich ins Stocken geraten.

In allen vier Ländern will Pröll um Unterstützung für das von Österreich forcierte Hilfspaket Ost werben. Eine Unterstützung, die die potenziellen Mitgeldgeber in Westeuropa derzeit noch kategorisch versagen.

Denn die Finanzkrise Ost ist ein zutiefst österreichisches Problem: Die heimischen Banken sind im Aufschwung Großmächte in der Region geworden. Und sie sind jetzt Hauptbetroffene der Krise. Insgesamt 230Milliarden Euro haben Raiffeisen, Erste & Co. in der Region an Krediten „draußen“. Damit man sich darunter etwas vorstellen kann: Müssten die österreichischen Steuerzahler für diese Summe geradestehen, müsste jeder der acht Millionen Alpenrepublikaner je 28.750 Euro ablegen.

Experten gehen davon aus, dass im „Worst Case“ durchaus fünf bis zehn Prozent dieser Darlehen ausfallen könnten. Das wären dann bis zu 23 Milliarden Euro. Eine Summe, die die österreichischen Banken allein nicht tragen könnten.

Die Brennpunkte aus österreichischer Sicht:

Kroatien: Hier sind relativ hohe Kreditvolumina gefährdet. Betroffen sind praktisch alle großen österreichischen Institute, am meisten die Kärntner Hypo Alpe Adria, deren drohender 500-Millionen-Euro-Verlust 2008 wohl zum Großteil dort entstanden ist.

Rumänien: Dort sind österreichische Banken mit 34 Milliarden Euro engagiert. Am stärksten wohl die „Erste“, die dort eine große Tochterbank betreibt. In Rumänien ist die Verschuldung der privaten Haushalte sehr hoch. Ein Drittel der Haushalte zahlt mehr als ein Drittel des Haushaltseinkommens für Kreditraten. Gut die Hälfte der Schulden wurde in Fremdwährung aufgenommen. Durch die starke Abwertung der Landeswährung sind diese Schulden nun auf einen Schlag um fast 20 Prozent gestiegen. Was für die Schuldner zum ernsten Problem wird.

Ukraine: Dort droht, wie gesagt, der Staatsbankrott. Österreichische Banken sind mit zehn Milliarden Euro engagiert, am stärksten Raiffeisen International mit fünf bis sechs Milliarden. Zwar droht selbst bei einem Staatsbankrott kein Totalausfall. Aber einfach wegstecken können solche Milliardensummen auch große österreichische Institute nicht.

Der Plan, für den Pröll nun wirbt: Die osteuropäischen Länder sollen mithilfe einer Finanzspritze aus Westeuropa durch die Krise getragen werden. Kann der Zusammenbruch vermieden werden, dann gibt es hier nachher wieder überdurchschnittliches Wachstumspotenzial.

Die Kosten kann Österreich aber nicht allein tragen: Vorsichtige Schätzungen gehen von mindestens 150 Milliarden Euro Finanzbedarf für die Region aus. Die UniCredit, die bei Weitem größte Westbank in Osteuropa, spricht aber von „mindestens 400 Milliarden Euro“.

Der Ruf nach einem Hilfspaket für die Region kommt nicht nur aus Österreich: Raiffeisen-International-Chef Stepic hat auch Banken aus Schweden, Belgien, Frankreich und Italien zu einer Lobbying-Gruppe zusammengetrommelt. Aber die Betroffenheit ist doch hierzulande am größten: Bezogen auf die Einwohnerzahl haben österreichische Institute ein zwölfmal so großes Kreditvolumen in Osteuropa draußen wie Deutschland. Und die Deutschen sind immerhin der zweitgrößte Gläubiger der Region.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2009)