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Das besondere Verhältnis der OMV zur Politik

OMV
(c) APA (HERBERT PFARRHOFER)
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Lorenz Birklbauer wird dieser Tage seinen Dienst antreten, er wird das Amt des Public-Affairs-Chefs bekleiden. Drei Ex-Ministersekretäre arbeiten neuerdings im Konzern.

wien. Der börsenotierte Ölkonzern OMV bekommt Zuwachs – und zwar personeller Natur: Lorenz Birklbauer wird dieser Tage seinen Dienst im Konzern antreten, er wird das Amt des Public-Affairs-Chefs bekleiden, also für das Konzern-Lobbying zuständig sein. Die Funktion hatte bisher Ronald Pichler bekleidet, der sich allerdings beruflich verändert hat. Birklbauer wird also Pichlers Nachfolger, ein ganz normaler Vorgang.

Interessant ist er dennoch: Birklbauer war in der letzten Regierung nämlich Mitglied des Kabinetts von ÖVP-Finanzminister Wilhelm Molterer. Er ist somit der dritte Ministersekretär jener Regierung, der nun in der OMV Karriere machen darf.

 

Aus allen Parteien

Seit 1. August 2008 verstärkt Michaela Huber das OMV-Presseteam – sie war seit dem Jahr 2000 Sprecherin im ÖVP-Innenministerium gewesen. Und seit Mitte September des vergangenen Jahres ist auch Sven Pusswald für die OMV-Konzernkommunikation zuständig. Pusswald hatte sich zuvor einen Namen als Sprecher von SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer gemacht.

Reiner Zufall? Nicht wirklich: „Wir haben lange Zeit aktiv nach Mitarbeitern für die Konzernkommunikation gesucht“, sagt OMV-Sprecher Thomas Huemer. „Und das mussten natürlich Personen sein, die langjährige Erfahrung im Umgang mit Öffentlichkeitsarbeit und Medien haben.“ So gesehen kamen die Neuwahlen in Österreich wie gerufen. Doch Huemer (der übrigens einst Pressearbeit für das Liberale Forum machte) will da keine Missverständnisse aufkommen lassen: „Unsere Personalbestellungen waren in keiner Weise politisch motiviert.“

Die Politik und die OMV – das war halt immer schon ein heikles Thema. Die (teilstaatliche) OMV hat sich jedenfalls in den vergangenen Jahren einen Zusammenhang mit der Politik strikt verbeten. Etwa 2006, als sie gemeinsam mit anderen staatsnahen Konzernen beschied: Politikerbesuche mit Wahlkampfhintergrund seien unerwünscht.

Lange Zeit galt der Konzern jedenfalls als politische „Kaderschmiede“. Allerdings ausschließlich für die SPÖ, wie die anderen Parteien nur zu gerne betonten: Caspar Einem war ab 1991 Chef der OMV-Abteilung Unternehmensentwicklung und strategisches Controlling und leitete später den Geschäftsbereich Gas, ehe er 1994 Staatssekretär im Bundeskanzleramt wurde. Später winkte noch der Job als Innenminister, im Jahr 2000 wurde er Wissenschafts- und Verkehrsminister.

 

Politik – und retour

Viktor Klima wiederum war Finanzvorstand der OMV, bis er 1992 von SPÖ-Bundeskanzler Franz Vranitzky als Minister für öffentliche Wirtschaft und Verkehr in die Regierung geholt wurde. 1996 wurde Klima Finanzminister, ein Jahr später war er Bundeskanzler.

Wolfgang Ruttenstorfer wurde seinerzeit Klimas Nachfolger im Vorstand der Mineralölverwaltung. 1997 wechselte allerdings auch Ruttenstorfer in die Politik: Er wurde SPÖ-Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Dann ging es allerdings wieder zurück in die OMV: Seit Anfang 2002 ist Ruttenstorfer Generaldirektor des Konzerns.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2009)