Trotz Minus von 8,1 Mrd. Franken wird die UBS den Mitarbeitern einen Bonus von insgesamt 1,8 Mrd. Franken (1,2 Mrd. Euro) auszahlen. Das Verhalten sorgt in der Schweiz für heftige Proteste.
Zürich (höll). Nach der Deutschen Bank sorgt die Schweizer UBS für negative Schlagzeilen: Mit 19,7 Mrd. Franken (13,1 Mrd. Euro) erzielte die größte Bank der Schweiz im Vorjahr das schlechteste Ergebnis in der Geschichte. Allein im vierten Quartal fiel ein Minus von 8,1 Mrd. Franken an. Dennoch wird die UBS den Mitarbeitern einen Bonus von insgesamt 1,8 Mrd. Franken (1,2 Mrd. Euro) auszahlen. Dabei handle es sich um Leistungen, welche man den Beschäftigten vertraglich zugesichert habe, rechtfertigte sich Bankchef Marcel Rohner. Der Großteil des Geldes komme mehrheitlich Angestellten der mittleren und unteren Hierarchiestufe zugute.
Das Topmanagement habe für das Jahr 2008 auf Boni verzichtet, so der Generaldirektor: „Die Boni sind Teil des Lohnsystems. Sie wurden ohnehin auf ein Minimum reduziert.“ Dennoch sorgt das Verhalten in der Schweizer Öffentlichkeit für heftige Diskussionen.
Faule Papiere in „Bad Bank“ ausgelagert
„Wenn ein Unternehmen Verluste schreibt und Staatshilfe benötigt, darf es keinen Bonus geben“, fordert Christian Levrat, Präsident der Schweizer Volkspartei (SVP). „Ein Bonus muss eine Belohnung sein für eine gute Leistung“, so der Politiker.
Statt sparsam mit Steuergeldern umzugehen, herrsche bei der UBS weiter die „Kultur der fetten Jahre“. Nach langen Diskussionen hat sich die Schweizer Regierung vor Kurzem entschieden, für den angeschlagenen Finanzsektor eine staatliche „Bad Bank“ einzurichten. Die UBS wird dorthin Risikopositionen im Volumen von 39,1 Mrd. Dollar (30,1 Mrd Euro) übertragen. Ursprünglich hätten es 60 Mrd. Dollar sein sollen.
Das Minus im Vorjahr begründete UBS-Chef Rohner vor allem mit Verlusten in der Investmentbanking-Sparte. Hinzu kommen Wertberichtigungen für Kreditrisken.
Gerüchte, man werde sich von Teilen des Investmentbanking-Geschäfts trennen, wies der Generaldirektor zurück. Der Bereich sei ein „wesentlicher Bestandteil“ des Konzerns und habe einen „ermutigenden“ Start in das neue Jahr gehabt. Rohner hält unverändert am Ziel fest, heuer die Gewinnzone zu erreichen.
Allerdings muss das Investmentbanking weiter Federn lassen. Zusätzlich zum bereits angekündigten Jobabbau sollen dort noch einmal 2000 Stellen gestrichen werden. Unterm Strich soll die Sparte künftig nicht mehr als 15.000 Mitarbeiter beschäftigen. Ende 2007 waren es noch 22.000 Leute. Größere Probleme dürften den Schweizern noch in den USA bevorstehen. Dort läuft eine Untersuchung wegen möglicher Mithilfe bei diversen Steuerdelikten.
Aufgrund der Gewinnaussichten für 2009 legte die UBS-Aktie am Dienstag um sieben Prozent zu. Analysten bleiben allerdings skeptisch. Die WestLB stufte das UBS-Papier von „Buy“ auf „Neutral“ herab. „Andere Wettbewerber sind besser aufgestellt“, meinte dazu auch Peter Brezinschek von der RZB.
AUF EINEN BLICK
■Die UBS nimmt die Dienste der Schweizer „Bad Bank“ in Anspruch. Dorthin werden Risikopositionen im Volumen von 30 Mrd. Euro übertragen. 2009 will die Großbank wieder einen Gewinn erwirtschaften.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2009)