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Linzer Weihbischof: Signal zum Aufstand gegen Wagner

(c) APA (Gerd Neuhold)
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Jetzt geht es erst richtig los: Der Widerstand an der Kirchenbasis formiert sich. Die Plattform „Wir sind Kirche“ rief am Mittwoch zum Boykott des Kirchenbeitrags auf.

WIEN/LINZ. „Ich suche den Konflikt“, hatte der designierte Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner noch bei einem seiner Antritts-Interviews gemeint. Doch das Ausmaß des Protests muss selbst ihn überraschen. Seine Aussagen zu Homosexualität oder Naturkatastrophen sorgen für das Auseinanderdriften der Lager innerhalb der Kirche. Das ist die tiefste Krise der heimischen katholischen Kirche seit den Zeiten der Bischöfe Krenn und Groer. Doch andere Bischöfe, wie zuletzt der Vorarlberger Diözesanbischof Elmar Fischer, verteidigen Wagner: Auch er halte Homosexualität für heilbar, wie andere „psychische Krankheiten“, sagt Fischer.

Kardinal Schönborn dagegen ließ mit der Aussage aufhorchen, auch ein Papst mache Fehler. Der Salzburger Erzbischof Kothgasser warnte vor einem Gesundschrumpfen der Kirche.

Wagner selbst weilt derzeit in Rom, lässt sich für sein zukünftiges Amt einkleiden, holt den Segen des Papstes ein und ist mit der Aufforderung aus höchsten Kreisen, keine Interviews zu geben, vorerst ruhig gestellt.

In Österreich tobt der Glaubenskrieg um seine Person indes weiter. Erst am Dienstag haben sich die Dechanten in Oberösterreich in einer Abstimmung mit 31 zu vier Stimmen gegen seine Weihe ausgesprochen.

 

Bischof Schwarz in Bedrängnis

Und das, obwohl Bischof Ludwig Schwarz zuvor an das Gelöbnis des Gehorsams der Priester erinnert und darauf gedrängt hatte, das Ergebnis der Abstimmung nicht öffentlich zu machen.

Es hat keine kirchenrechtlichen Konsequenzen, und doch ist das Votum der Dechanten als Signal des Aufstands zu werten. Auch die Katholische Jugend bezieht nun Stellung: „Dem Bedürfnis der Gläubigen nach einer einheitsstiftenden und ausgleichenden Person im Bischofsamt“ sei nicht entsprochen worden. Wer Zusammenhänge zwischen Bordellen und Naturkatastrophen herstelle, setze sich an Gottes Stelle, kritisierten die kirchlichen Umweltbeauftragten einen prominenten Wagner-Sager. Die Plattform „Wir sind Kirche“ rief gestern zum Boykott des Kirchenbeitrags auf.

Schwarz versucht zu kalmieren und betont das „gute Miteinander“ auf allen Ebenen der Diözese. Generalvikar Severin Lederhilger – man munkelt, dass er einer der von Schwarz vorgeschlagenen Kandidaten und lange Zeit aussichtsreicher Anwärter auf das Amt des Weihbischofs war – , findet deutlichere Worte: „Es wird eine große Herausforderung für den designierten Weihbischof sein, auf diese Situation einzugehen und auf viele enttäuschte oder besorgte Menschen positiv zuzugehen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2009)