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ORF: Wrabetz vs. Lorenz und Pröll

(c) APA (Robert Jäger)
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Wahlkampf am Küniglberg am Beispiel „Dorfers Donnerstalk“. Indirekt greift Wrabetz auch das Landesstudio Niederösterreich an. Das fühlt sich wiederum nicht betroffen.

Die Nervosität am Küniglberg, wo demnächst über personelle Umbesetzungen bis in die oberste Chefetage entschieden wird, ist evident. Am Mittwoch zeigte sich ORF-General Alexander Wrabetz ungewohnt humorlos und machte seinem Ärger über Programmdirektor Wolfgang Lorenz in einem internen Schreiben Luft: Dieser habe „dafür Sorge zu tragen, dass bei aller Möglichkeit zu scharfer Kritik [...] pauschale Verunglimpfung unserer Mitarbeiter unterbleibt“. Anlassfall war „Dorfers Donnerstalk“ vom 29.Jänner. Dort seien die ORFler als „unfähig“ und „leistungsunwillig“ dargestellt worden, findet Wrabetz. Er braucht in der Mannschaft gute Stimmung, zumal kommende Woche der erweiterte Zentralbetriebsrat über seine Sparpläne berät.

Indirekt greift Wrabetz auch das Landesstudio Niederösterreich an. Die Landesstudios seien in der Satiresendung als „politisch korrumpiert“ dargestellt worden, kritisiert er und schreibt: „Wahr ist, dass acht ORF-Landesstudios hervorragende, vollkommen unbestrittene objektive Arbeit in der politischen Berichterstattung leisten. Nur weil es in einem Bundesland öffentliche Diskussionen gibt, ist es unzulässig, die Arbeit der anderen Landesstudios pauschal herunterzumachen.“ Und: Auch in Niederösterreich (das Wrabetz nicht explizit nennt) sei man um guten Journalismus „bemüht“. Dort ist Richard Grasl Chefredakteur – er wird immer wieder für höhere ORF-Weihen gehandelt. Landeshauptmann Erwin Pröll hatte Wrabetz zuletzt mehrfach heftig attackiert. NÖ-Landesdirektor Norbert Gollinger reagierte prompt: Man fühle sich „nicht angesprochen“.

Alfred Dorfer zeigte sich gegenüber der „Presse“ verwundert: Es sei in der Sendung „zu keiner pauschalen Verunglimpfung der ORF-Mitarbeiter“ gekommen, „weder was Korrumpierbarkeit noch Leistungsfähigkeit betrifft“. Die Kritik komme „überraschend, auch angesichts der Tatsache, dass in der Amtszeit der jetzigen Geschäftsführung bislang weder Zensur noch andere Einflussnahmen stattfanden“. Im Gegenteil: Lorenz habe „bis dato eine unter früheren Führungen undenkbare Toleranz auch gegenüber der Kritik am Unternehmen“ bewiesen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2009)