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Rumänien: Banken bescheren Österreichern Rekordgewinne

Ein Teil der 1,27 Mrd. Euro stammt aus dem Verkauf von Versicherungen.

BUKAREST/WIEN (p.m.). Die globale Finanzkrise ist an den Gewinnen der rumänischen Banken (noch) nicht abzulesen. Sie waren im Vorjahr nicht nur um zwei Drittel höher als 2007, sondern stiegen auch im zweiten Halbjahr munter weiter, wie aus dem jüngsten Bericht der rumänischen Nationalbank hervorgeht. Die Erste-Bank-Tochter Banca Comerciala Romana (BCR), die Niederlassungen von Raiffeisen und Volksbank sowie die Bank-Austria-Schwester UniCredit Ţiriac waren am Nettoergebnis der Branche in Höhe von 1,27 Mrd. Euro maßgeblich beteiligt.

Die Krise verbirgt sich vorerst hinter den Zahlen. Denn im ersten Halbjahr hatte die Branche erst 522 Mio. Euro Gewinn geschrieben, weniger als die Hälfte des Gesamtjahres. Mehr als die Hälfte des Gewinns ging auf das Konto von BCR und Raiffeisen. BRD, die Tochter der französischen Gruppe Société Générale, war auch beim Gewinn die Nummer zwei hinter der BCR. Diese drei Institute kassierten nicht weniger als 80 Prozent aller Gewinne. Mit weniger als 50 Prozent des Gesamtgeschäftes: Die BCR kam im Vorjahr auf 23,4, BRD auf 15,5 und Raiffeisen auf 6,3 Prozent Marktanteil. Mit jeweils etwas über fünf Prozent rangierten Volksbank und UniCredit Ţiriac mit der Alpha Bank, der Banca Transilvania und der Bancpost auf den nächsten Plätzen.

Die Gewinnzahlen täuschen darüber hinweg, dass ein beträchtlicher Teil aus Verkäufen stammte. So erlöste die BCR mehr als 300 Mio. Euro aus dem Verkauf ihrer Beteiligungen an den Versicherungen Asiban sowie BCR Asigurari und der Leben-Sparte BCR Asigurari de Viata.

Erst gegen Jahresende begannen die Banken Reserven aufzuhäufen. Diese betrugen per Jahreswechsel 1,9 Mrd. Euro, das Doppelte von 2007. Die vier „österreichischen“ Banken hatten 33,9 Mrd. Euro an Krediten vergeben, gefolgt von französischen (12,8), italienischen (10,4) und niederländischen Instituten (8,3).


Öl- und Medienmulti will Bank

Und trotz Krise rüstet ein „neuer“ Marktteilnehmer zum Sturm auf die Branche: Der vor allem als Öl- und Medienmagnat bekannte Dinu Patriciu verhandelt mit der Erste Bank über den Erwerb der kleinen Anglo-Romanian Bank. „Sie ist profitabel, sodass wir nicht unter Druck sind, sie zu verkaufen“, sagte BCR-Manager Stanimir Ionut der Zeitung „Business Standard“. Patriciu will den geschätzten Kaufpreis von rund 100 Mio. Euro schnell bezahlen, hat er doch seit dem Verkauf von 75 Prozent seiner Rompetrol-Gruppe an den kasachischen Öl- und Gaskonzern KazMunaiGaz überschüssiges Geld.

Ins Finanzgeschäft war er 2007 eingestiegen, als er die Brokerfirma Unicredit Securities kaufte und in seine Genfer Finanzgruppe Tailwind Services integrierte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2009)