Adieu für Grassers Zukunftsvorsorge

(c) APA (Helmut Fohringer)
  • Drucken

Um das Risiko zu minimieren, soll die Aktienquote deutlich gesenkt werden, auf Wunsch der Versicherungen im Berechnungs-Zeitraum von zehn Jahren auf durchschnittlich 25 Prozent.

Wien. Schuld ist Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Er hat die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge erfunden, damit auch biedere Sparer ihr Geld in den Kapitalmarkt pumpen. Doch das Produkt, das 1,2 Millionen Österreicher zu Aktionären gemacht hat, dürfte die Finanzkrise nicht überleben. Der Präsident des Versicherungsverbands und Chef der Wiener-Städtischen-Versicherung Günter Geyer sagte am Freitag, man führe mit dem Finanzministerium finale Verhandlungen über eine grundlegende Reform. Derzeit sind 40 Prozent Aktienveranlagung gesetzlich vorgeschrieben.

Um das Risiko zu minimieren, soll die Aktienquote auf Wunsch der Versicherungen im Berechnungszeitraum von zehn Jahren auf durchschnittlich 25 Prozent gesenkt werden. In Krisenzeiten und vor Pensionsantritt soll es möglich sein, überhaupt keine Aktie zu halten. „Im ersten Quartal wollen wir ein Ergebnis haben. Und dann bedarf es noch der gesetzlichen Umsetzung. Das dauert üblicherweise ein, zwei Monate“, sagt Geyer.

Schlechter als ein Sparbuch

Ein Sprecher des Finanzministeriums bestätigte die Arbeiten an einem Gesetzesentwurf. Die Details stehen aber noch nicht fest. Dem Vernehmen nach will Finanzminister Josef Pröll vor allem dafür Sorge tragen, dass ältere Kunden gegen Ende der Laufzeit ihre Aktienquote reduzieren können.

Für Grasser war die Zukunftsvorsorge ein Kernstück seines Aktionsplans zur Belebung der Wiener Börse. Aufgrund der staatlichen Prämie samt Kapitalgarantie und Steuerbefreiung erwies sich das Produkt als Renner. Der Ex-Finanzminister traf damit zwei Fliegen auf einen Schlag: Die Wiener Börse bekommt frisches Kapital. Dies war für Grasser eine Grundlage, um die Anteile von Staatsfirmen (wie Post, Voestalpine und Telekom) über die Börse verkaufen zu können.

Solange es mit den Aktien aufwärtsging, waren alle zufrieden. In den ersten Jahren verzeichnete die Zukunftsvorsorge zweistellige Renditen. Doch dann kam die Finanzkrise, und die Gewinne waren weg.

Laut einer Studie der Arbeiterkammer wiesen die 2003 eingeführten Produkte zum Stichtag 13.Oktober 2008 nur eine jährliche Durchschnittsperformance von 0,87 Prozent auf. Neuere Daten gibt es nicht. Doch aufgrund der Entwicklung der Wiener Börse in den vergangenen Monaten dürfte sich die Talfahrt beschleunigt haben. „Die Veranlagungserfolge können sich rasch in Luft auflösen. Mit einem Sparbuch hätten Konsumenten besser abgeschnitten“, analysiert Arbeiterkammer-Experte Christian Prantner.

Deutlichere Worte findet Allianz-Chef Wolfram Littich: „Es ist ein Wahnsinn, wenn der Staat die Aktienquote vorschreibt.“ Grasser forderte ursprünglich sogar eine 60-Prozent-Quote, damit konnte er sich aber nicht durchsetzen.

Börse-Kurssturz vermeiden

Nach Ansicht von Experten muss bei der Reform sichergestellt werden, dass die Senkung der Aktienquote nicht sofort durchgeführt wird, um einen Kurssturz an der Börse zu vermeiden – immerhin geht es um 825Mio. Euro, die bislang in das Produkt geflossen sind.

Die Versicherungen fordern weiters, dass die Zukunftsvorsorge auch für den Bereich Pflege angewandt wird. Dabei sind zwei Varianten denkbar: Entweder gestaltet man für den Bereich Pflege ein eigenes Produkt mit einer staatlichen Prämie – oder man lässt es zu, dass bestehende Verträge umgewidmet werden können.

Auf einen Blick

Das Finanzministerium arbeitet an einer Reform der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge. Derzeit sind mindestens 40 Prozent Aktienveranlagung vorgeschrieben. Die Versicherungen fordern eine Senkung auf durchschnittlich 25 Prozent im Berechnungszeitraum von zehn Jahren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.